Heidi List Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Regenbogen

Falter & Meinung | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Ich erfuhr von Conchita Wursts Triumph durch den Rezeptionisten meines Hotels in Prag. "From Austria? Ah - Wurst!" W.A. Mozart hätte sich über seine Abwahl als musikalische Österreichreferenz gewundert. Sicher ist es aber gut, dass unser Land ab nun mit einem anderen Bart in Verbindung gebracht wird als bisher.

Apropos Bart. Später, wieder in Wien, hörte ich an der Straßenbahnhaltestelle einem älteren Ehepaar zu. Er in Lodenmantel, sie mit Lodenhut plus Feder. Er: "Diese Conchita Wurst hat ernsthaft gewonnen." Sie: "Na, hör auf? Mit dem Lied? Die Frau ist ja echt nur was fürs Auge." Er: "So einen netten Popo hast du auch einmal gehabt." Sie: "Kch kch kch" (= kratziges Kichern).

Fällt was auf, jetzt abgesehen von der sexistischen Frechheit? Tag eins nach dem Song-Contest-Sieg von Conchita Wurst und kein einziges Wort mehr über den Bart. Oder über Schwulsein. Wer weiß, vielleicht hat die nächste Generation Chancen darauf, gar nicht mehr zu begreifen, WAS an dem Sieg einer Dragperson beim Song Contest so fantastisch war. Große Leistung, Conchita Wurst, in the name of the Rainbow. F


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