Mediaforschung  Verführungskolumne

Ein Europa-Spot, der das Herz berührt und den niemand kennt

Medien | aus FALTER 21/14 vom 21.05.2014

Ein Paar schmust im Schlamm, ein Demonstrant wuchtet sich gegen die Schilde vermummter Polizisten, Bilder von Müllbergen, Bilder vom Fall der Berliner Mauer, ein Mädchen probt im Turnsaal Rückwärtsüberschläge, ein Bauer jagt mit seiner Pferdekutsche über das Feld. Es ist einer von mehreren Spots aus der Kampagne "Act. React. Impact.“ (die trockenere deutsche Übersetzung: "Handeln. Mitmachen. Bewegen.“), mit der das EU-Parlament klarmacht, worum es in der Wahl am 25. Mai geht: um das Leben einer halben Milliarde Menschen.

Die EU ist da, wo wir sind, aber für die meisten ist sie trotzdem weit weg. Bei der letzten Europawahl verzichtete die Mehrheit der Europäer auf Mitbestimmung, nur 43 Prozent gaben ihre Stimme ab (in Österreich: 46 Prozent), die Wahlbeteiligung sinkt konstant. Die EU-Kampagne soll diesmal der demokratischen Wurschtigkeit entgegenwirken. Das Gute ist: Die Spots gehen mitten ins Herz und haben das Potenzial, das als kalt und technisch wirkende EU-Parlament als das darzustellen, was es ist: als Lebensgestalter. Das Problem ist: Kaum jemand kennt die Werbung. 16 Millionen Euro gibt die EU für die Kampagne aus. Das sind Peanuts.

Aus dem Europäischen Parlament heißt es nun, mehr als 90 Sender wollen den Spot vor der Wahl kostenlos ausstrahlen. Beim ORF weiß man erst seit der Falter-Anfrage von der Kampagne. Ob man sich den anderen Sendern anschließen wird, könne man noch nicht sagen. Unser Rat: Handeln. Mitmachen. Bewegen.

Benedikt Narodoslawsky


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