Enthusiasmuskolumne  Diesmal: der beste Frontman der Welt der Woche

Samuel T. Herring zeigt sein wahres Gesicht

Feuilleton | aus FALTER 21/14 vom 21.05.2014

Samuel T. Herring schaut eigentlich ziemlich unscheinbar aus. Okay, er erinnert optisch ein klein wenig an Morrissey, wirkt ansonsten aber total unauffällig. Man kann sich vorstellen, dass er als fleißiger Handwerker irgendwo in den USA lebt. Nach der Arbeit kehrt er noch auf zwei, drei Biere ein. Er gehört in der Bar aber nicht zu den Schmähführern, sondern sitzt einfach da und trinkt in Ruhe seine Getränke. Wehe jedoch, es ist Karaoke-Abend - dann zuckt der Typ völlig aus und zeigt sein wahres Gesicht.

Auf solche Gedanken kann man kommen, wenn man Herring bei David Letterman gesehen hat. Tatsächlich ist der Anfangdreißiger Musiker und steht als Sänger dem Keyboard-Bass-&-Drummachine-Trio Future Islands vor. Und als seine bislang im Underground beheimatete Combo kürzlich die Chance erhielt, mit der ersten Single aus ihrem schon vierten Album "Singles“ erstmals einen großen Fernsehauftritt hinzulegen, da nützte Herring die Gunst der Stunde.

Er spielte bei dem kurzen Liveauftritt nicht nur aus, dass er eine unglaublich tolle Stimme hat, die einen sofort packt. Nein, er legte zu "Seasons (Waiting on You)“, einem ganz fantastischen Ohrwurm irgendwo im Dreieck zwischen New Order, The Killers und Bruce Springsteen, auch ein Tänzchen hin. Besser: Er tanzte sich die Seele aus dem Leib, als wäre der Boss aus der "Dancing in the Dark“-Phase von einem Affen gebissen worden.

Überhaupt sind Future Islands die aufregendste Popband derzeit. Weil sie Ohrwürmer raushauen, als wäre es nichts, weil sie die große Geste nicht scheuen, Glanz und Pathos in die nüchterne Popwelt von heute zurückbringen - und bei alldem auch noch extrem lässig rüberkommen. Am 28. Mai kann man Samuel T. Herring und seinen Freunden im Flex zuschauen, wie sie eine gute Zeit haben.

sebastian fasthuber


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