Inflation des Geldes und der Gefühle

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 21/14 vom 21.05.2014

Die Wienerin Anna Martinetz hat Arthur Schnitzlers "Fräulein Else“ für die Leinwand adaptiert

Papa ist wieder einmal pleite. Mama schreibt Else, der urlaubenden Tochter, einen Brief. Sie möge sich doch bitte Herrn Dorsday anvertrauen, einem Freund der Familie, der im selben Hotel abgestiegen sei und dem Papa schon einmal gerne ausgeholfen habe. 300.000. Ist doch vergleichsweise eine Lappalie.

Arthur Schnitzler hat die Geschichte vom "Fräulein Else“ im Sommer 1924 veröffentlicht, ein halbes Jahr nach der deutschen Währungsreform, der Jahre der Hyperinflation und der Ruin des alteingesessenen Bürgertums vorausgegangen waren.

Die Novelle setzt die Inflation des Geldes mit der Inflation der Gefühle in eins. So äußert der kunstsinnige Krisengewinnler Dorsday eine Bitte, die "einer Erpressung zum Verzweifeln ähnlich sieht“: Für die erbetene Summe verlangt er nichts weniger von Else, "als eine Viertelstunde dastehen dürfen in Andacht vor Ihrer Schönheit“. Well, you get the picture.


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