Buch der Stunde

Monsieur ist popülär, liest sich aber schwör

Feuilleton | aus FALTER 21/14 vom 21.05.2014

Jacques Rancière ist ein Modephilosoph. Diese Spezies erkennt man daran, dass ihre Vorträge überfüllt sind, und zwar von Menschen, die ihre Bücher vermutlich nicht gelesen haben. Rancière ist über 70. Als er vor zwei Jahren in Wien zu Gast war, bestand ein Großteil der Zuhörer aus Twentysomethings. Dass ihn niemand verstand, lag nicht zuletzt an seinem durch einen extremen Akzent verunstalteten Englisch. Rancière zu verstehen, ohne ihn zu lesen, erlaubt nun die erste umfassende Monografie von Oliver Davis. 2010 erschienen, liegt sie nun, ergänzt um ein Nachwort zu den jüngsten Schriften, auf Deutsch vor.

Gleich vorweg: Dieses Buch kann man verstehen. Schon in der Einleitung bemüht sich Davis, den als aphoristisch, orakelhaft und deklarativ charakterisierten Stil Rancières zu ergründen. Gleichheit, der wichtigste Begriff im Werk dieses Protagonisten der Proteste vom Mai 1968, werde hier "nicht nur erklärt, sondern inszeniert“.

Davis ordnet Rancières Schriften in den politischen


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