Neue Bücher  Berlin vor und nach der Wende

Feuilleton | aus FALTER 21/14 vom 21.05.2014

Wo hätte sich wohl Walter Benjamin niedergelassen, hätte er das Hitler-Regime überlebt? In Ostberlin, so legt jedenfalls Uwe-Karsten Heyes aus neuen Quellen schöpfendes Familienporträt "Die Benjamins“ nahe. Den Philosophen Walter Benjamin kennen viele, hier aber geht es vor allem um seine Geschwister Dora und Georg (er kam im KZ Mauthausen um), um Georgs Frau und Witwe Hilde, um ihren Sohn und dessen Kinder. Berliner Juden, Kommunisten, Opfer und Überlebende des Nationalsozialismus, die in der DDR den Sozialismus aufbauen wollten. Heyes heimliche Heldin ist Hilde Benjamin, die gefürchtete Richterin und erste DDR-Justizministerin. Im Westen war sie Zielscheibe heftiger Verunglimpfungen - als Frau, Jüdin, Linke, gar noch als eine mit roten Haaren. Das nimmt Heye zum Anlass, mit der bundesdeutschen Nachkriegsjustiz abzurechnen - ein Feldzug, bei dem er sein Hauptthema bisweilen aus den Augen verliert. CB

Uwe-Karsten Heye: Die Benjamins. Eine deutsche Familie. Aufbau, 362 S., € 23,70


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