Alle finden überall hin

Stadtleben | Stilkritik: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 21/14 vom 21.05.2014

Ein Rundgang auf dem neuen WU-Campus zeigt, wie Inklusion Infodesign verändert

Wir haben“, sagt Erwin Bauer fast nebenbei, "für die neue Infografik der WU die Titillium genommen, eine Open-Source-Schrift.“ Weil es bei offenem Design darum geht, Dinge weiterzuentwickeln und auch Neues zu schaffen, hat Bauer mit seinem Team die schnörkellose Titillium um eine Stencil-Variante erweitert, die Schablonen für Sprayer gleicht. Zugleich hat der Wiener Infodesigner auch eine umfangreiche Piktogrammfamilie dazu geschaffen - vom WC-Symbol über das Radfahrverbot bis hin zum Rollstuhlfahrer.

Gerade das neue Piktogramm für Rollstuhlfahrer illustriert ganz gut, was Erwin Bauer damit meint, wenn er sagt, dass das Leitsystem auf dem WU-Campus im Prater den Prinzipien der Inklusion folgt. Nämlich so konsequent wie nirgends in Wien.

Inklusion bedeutet in aller Kürze, nichts und niemanden auszuschließen und möglichst alle Menschen mitzudenken: Frauen, Männer, große, kleine, seh- und hörbehinderte, farbenblinde oder eben Menschen im Rollstuhl. Das Piktogramm, das sich das Buero Bauer für das Orientierungssystem der WU für diese Benutzergruppe ausgedacht hat, weicht inhaltlich sehr vom bekannten Piktogramm laut ÖNORM A 3012 ab, ist aber doch auf den ersten Blick zu erkennen.

Statt eines passiven Rollstuhlfahrers, der hilflos seine Arme nach vorne ausstreckt und auf Anschiebehilfe zu warten scheint, sehen wir auf dem neuen Symbol einen dynamischen Herrn im angedeuteten Anzug, der sich Richtung Betrachter wendet und der dabei ist, mit der rechten Hand seinen Rollstuhl in Bewegung zu setzen - nämlich selbstständig.

Die Dynamik passt zu dem Uni-Leitsystem, das wirklich alle bis zum kleinsten Seminarraum führen will. Bislang nämlich war für Menschen mit Behinderung meist an der ersten Pforte Schluss, nicht nur wegen fehlender Rampen. F


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