Phettbergs Predigtdienst

These und Antithese

Falter & Meinung | aus FALTER 21/14 vom 21.05.2014

Geboren heiß ich Josef Fenz, bin also wohl auch eine feste Antithese wie Conchita Wurst. Ich war zuerst Raiffeisenbank-Angestellter, dann wurde ich Pastoralassistent, und in der Pfarre St. Hemma Hietzing hieß meine Vorgängin Pfarrschwester Hermine Mayer. Und als die Pfarrjugend mich Bruder Hermann nennen wollte, hatte ich total Angst: "Die kommen mir noch drauf, dass ich stockschwul bin.“

Denn in Unternalb, in meiner Geburtspfarre, hießen alle Leute Josef, Johann und Hermann. Ich war außerdem brav katholisch, blad und wollte unbedingt abmagern. Ab dem Moment, wo ich in der Pfarre Hemma wohnte, meldete ich mich bei der amerikanischen Firma Weight Watchers an. Und da sah ich zufällig lauter dicke Frauen, die dort waren, um abmagern zu lernen, die wollten auf keinen Fall zugeben, dass sie fresssüchtig seien? Katholisch plus Industrie = Jo-Jo.

So etwas wahrzunehmen, und in dem Moment!, musste ich mich Hermes Phettberg nennen. These: der griechische Halbgott Hermes (Halbgott sein ist so etwas Ähnliches wie Pastoralassistent sein, eine Art halber Kaplan), Antithese: Phettberg: sich vollfressen. Christian Schreibmüller sagte: "Er hat schon recht, nahe an ‚hermaphroditisch‘, sich Hermes zu nennen.“

E-Mail, 14.5.2014: "Lieber Hermes Phettberg, ich möchte Ihnen Danke sagen für Ihre großartigen Auftritte als Talkmaster in Ihrer ‚Nette Leit Show‘, die damals, als der ORF sie sendete, an mir vorbeiging, weil ich noch zu jung oder zumindest zu uninteressiert war, die mir heute via Youtube aber große Freude bereitet. Ihre Person habe ich nur vage als skandalträchtig wahrgenommen. Umso erstaunter war ich, dass mein Vater, zeitlebens ein braver Katholik und für mich immer der Inbegriff eines bigotten Biedermanns, Ihre Show verehrte. Jetzt ist er schon über achtzig, und mit den Jahren ist er tolerant geworden. Ich weiß nicht, inwieweit Sie damit zu tun hatten, aber ganz offensichtlich haben Sie es verstanden, auf intelligente Art einen Menschen mit gegensätzlichen Ansichten zu begeistern und ihn, der nie nachdenklich wirkte, nachdenken zu lassen. Dafür haben Sie meinen herzlichen Dank! Ihnen das zu sagen war mir ein Bedürfnis. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und grüße Sie herzlich …“ F

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