Menschen

Wurstbande

Falters Zoo | aus FALTER 21/14 vom 21.05.2014

Schön, dass auch der ORF mit etwas Verzögerung kapiert hat, was der Song Contest bedeutet. Man muss das Ding halt erst gewinnen. Am Sonntag schmissen die Ö3-Gesichter Kathi Bellowitsch und Andi Knoll auf dem Ballhausplatz eine Sause. Während sich Conchita Wurst im Kanzleramt von Bundeskanzler Werner Faymann und Kulturminister Josef Ostermayer beglückwünschen ließ, machten die Kindergartentante und der Radiokerl mit den Massen davor schon mal einen auf lustig. Eine große Boulevardzeitung warf sämtliche Ressentiments über Bord und verteilte Dauerwürste, kleine Kinder trugen Bart, und irgendwer hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass mehr als hundert Menschen plus Elfriede Ott zu diesem Anlass kommen werden. Wir hoffen inständig, dass Ö3 mit dem Wiener Song Contest 2015 nicht so wahnsinnig viel zu tun hat. Und dass Frau Wurst bald mehr als zwei eigene Songs besitzt, sodass sie nicht mehr den Phoenix doppelt und dreifach machen muss und keine kleine Karaoke-Show.

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In zwei Wochen beginnen die Life-Ball-Festspiele. Tatsächlich gibt es nämlich eine Zusatzveranstaltung zum eigentlichen Ball vor dem und im Wiener Rathaus. Beim beliebten Pressekonferenz-Marathon, von Peter L. Eppinger und Sandra König locker-lässig Ö3-eingemeindet, gab Ballmacher Gery Keszler die Details vom größten Aids-Charity-Event der Welt bekannt. Infektionsraten, er- und entmutigende Fakten. Oder dass Sängerin Courtney Love, Almodóvar-Schauspielerin Rossy de Palma oder Hollywood-It-Dame Lindsay Lohan heuer mit von der Party sein werden. Für die offenbar obligatorische Modenschau ist Franca Sozzani verantwortlich, die mächtige Chefredakteurin der italienischen Vogue. Sozzani möchte er nicht zur Feindin haben, sagte Keszler. Und wir schätzen, dass das auch gar nicht der Fall sein kann. Großes Bedauern übrigens, dass jedermanns Liebling Anna Netrebko nicht beim "Red Ribbon Celebration Concert“ im Burgtheater am Freitag vor der Großveranstaltung dabei sein kann. Die russische Sängerin hat Verpflichtungen. Weshalb sie wohl auch beim Mittagessen der ersten Damen, einer Frauenangelegenheit im Belvedere, nicht teilnimmt: dem "First Ladies Luncheon“. Classy. Freuen kann man sich übrigens auf die Moderatoren der Eröffnungsshow: Manuel Rubey und Thomas Stipsits. Der Schauspieler - neuerdings mit Glatze - und der Kabarettist stellten bei der Pressekonferenz im Le Meridien das umstrittene Ball-Plakat ("Spatzigate“) von Fotograf David LaChapelle nach. Sie ließen allerdings die Hosen dabei an.

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Unsere Begeisterung für Christoph Wagner-Trenkwitz teilt bizarrerweise nicht jede Falter-Leserin. Viele halten den Chefdramaturgen der Volksoper, der - gemeinsam mit dem Adelsexperten Karl Hohenlohe - als Kommentator die dröge Opernball-Übertragung erträglich macht, schlicht für eine Operettenschrulle. Macht nichts. Wir freuen uns jedenfalls, dass dem Herrn mit der Überreichung des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien (Simpl-Chef Albert Schmidleitner bekam übrigens auch sowas) ein bisschen Ehre zuteil wurde. Kabarettist Michael Niavarani hielt den Ausgezeichneten die Laudationes: "Ihr seid meine besten Freunde, meine einzigen wirklichen Freunde. Aber bitte sagt das nicht Viktor Gernot weiter.“ Gemein!

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"Die Mensch Maschine“ sei das Konzert des Jahres gewesen, meinten jene, die für das große Festwochen-Ereignis im Burgtheater nur einen Kraftwerk-Abend und nicht acht gebucht hatten. "Wiederholung“, schimpften jene mit acht Tickets. Jedenfalls dürfte Audio Operator Ralf Hütter alles richtig gemacht haben. Große Begeisterung in der Burg, während wir und der Rest der Wurstbande drüben bei "Conchy“ waren.

christopher wurmdobler


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