Kunst Kritik

Vor der Traumfabrik: Showgirl im Spiegel

Lexikon | NS | aus FALTER 21/14 vom 21.05.2014

Der spätere Regielegende Stanley Kubrick war noch in der Schule, als er 16-jährig sein erstes Foto an ein Magazin verkaufte. Es stellte einen deprimiert blickenden Zeitungsverkäufer inmitten von Covers dar, die alle den Tod von Präsident Roosevelt verkündeten. Diese Aufnahme steht am Beginn der Schau "Eyes Wide Open. Stanley Kubrick als Fotograf", in der das Kunstforum nun eine Auswahl von 15 Bildessays präsentiert.

..Insgesamt 300 solcher Reportagen schießt Kubrick ab 1945 für das Magazin Look, bevor die Filmkamera zu seinem wichtigsten Werkzeug wird. Unweigerlich sucht man in der Schau nach Vorboten seiner späteren Bildsprache für die Leinwand, aber die Fotos sind auch ohne diese Hintergedanken sehenswert.

Dabei war der geborene New Yorker weniger an formalen Spielereien interessiert, und auch der "richtige Augenblick" eines Henri Cartier-Bresson gilt ihm nicht als höchstes Ziel. Er breitet lieber die vielen Facetten einer Geschichte aus. So begleitet er ein Showgirl vom morgendlichen Kaffeekochen bis zum abendlichen Styling, wo er sich und die dunkelhaarige Schönheit raffiniert im Spiegel verewigt. Kubricks Reportage vom Winterquartier eines Zirkus lässt die Außenseiterporträts von Diane Arbus ebenso anklingen wie im Bild des rufenden Direktors den Konstruktivisten Alexander Rodtschenko.

Viel Gespür für soziale Codes und Gesten beweisen die Serien zum Alltag eines Schuhputzerbubs oder des Rich-Girls Betsy von Fürstenberg. Die Fotomagazine in Vitrinen zeigen, in welcher Auswahl und Form Kubricks Bilder schließlich publiziert wurden. Der letzte Teil der Schau leitet schon zum Filmschaffen über: Die Reportage von einem Wettkampftag des Boxers Rocky Graziano führte zum Regiedebüt des Dokumentarfilms "Day of the Fight" von 1951. Kunstforum, bis 13.7.


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