Neues zum Wiederhören

Die tage neuer musik graz setzen auf Vertiefung und pfeifen auf Eventkultur

Steiermark | HERBERT SCHRANZ | aus FALTER 21/14 vom 21.05.2014

Fünf etablierte Grazer Veranstalter Neuer Musik haben sich für die tage neuer musik graz frisch zusammengeschlossen, um ein thematisch verdichtetes Kontrastprogramm zur gängigen Eventkutur zu bieten. Getragen von die andere saite, Ensemble Zeitfluss, IGNM Steiermark, dem Kulturzentrum bei den Minoriten und Open Music, lautet das Motto der erstmals stattfindenden Tage "... von zeit zu zeit ...". Damit ist die musikalisch ausgebreitete Zeit gemeint, deren Verlaufsplanung vor etwa 1950 zum Grundthema kompositorischer Formgebung wurde.

Hier setzen die "tage" an und eröffnen mit einem Konzert der "anderen saite" und ihrer (Wahl-)Grazer Komponisten am Freitag. Mitglieder des Klangforums Wien werden hörbar machen, wie unterschiedlich die Zeitkonzepte von Bernhard und Klaus Lang sind, ebenso von Gerd Kühr, Peter Lackner oder Florian Geßler, die bewusst ausschließlich mit älteren Werken vertreten sein werden.

Es geht also nicht um Uraufführungsevents, sondern um die Möglichkeit, Neue Musik in neuem Konzertkontext wieder erleben zu können. Das kommt sonst zu kurz und bedient, soweit unhinterfragt, einen kunstfremden Musikmarkt, dem es kaum inhaltlich um das Neue geht. "Gegen diese sehr verbreitete Mode setzen die 'tage neuer musik darauf, Hören und Reflexion, sinnliche Erfahrung und begriffliches Denken miteinander zu verbinden", sagt der Komponist und IGNM-Steiermark-Vorsitzende Clemens Nachtmann. Nachtmann wird Diskussionsrunden am Samstag und Sonntag moderieren, bei denen Grazer Komponisten, der Frankfurter Mathias Spahlinger und der Kärntner Bruno Strobl zugegen sein werden.

Am Samstag stellt open music mit dem französischen ensemble]h[iatus Musik der New York School (Earle Brown, Christian Wolff, Improvisationen) drei Werken Mathias Spahlingers gegenüber, ihm widmet die Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) eine Personale. Seine (in Partikeln) genau festgelegte Musik wird von Mitgliedern des Österreichischen Ensembles für Neue Musik Salzburg gespielt. Das "Problembewusstsein" in puncto Zeitgestaltung war auf der einen wie auf der anderen Seite des Atlantiks ähnlich, die Lösungen charakteristisch anders.

Dies wird auch am Sonntag spürbar, wenn das Ensemble Zeitfluss vor allem Grazer Musik der "Crippled Symmetry" (1983) von Morton Feldman gegenüberstellt; "Minoriten - Neue Musik" lässt ein Trio um die Flötistin Sylvie Lacroix Feldman antreten. In zwei Jahren sollen die "tage neuer musik" wiederkehren.

Kulturzentrum b. d. Minoriten, Graz, 23.-25.5.


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