Film Neu im Kino

"Edge of Tomorrow": Tom Cruise stirbt immer besser

Lexikon | DR. ROBNIK | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Bei Actionkino, wie es nun gern wieder im Scifi-Modus antritt, heißt es oft (meist aus Bequemlichkeit), die Action, Effekte, Animationen seien eh okay; aber die Story -das, wovon unser Deutschlehrer gesagt hat, dass dafür Kino erfunden bzw. noch nicht abgeschafft worden sei -lasse zu wünschen übrig.

Doug Limans "Edge of Tomorrow" ist endlich wieder ein Hollywood-Actionfilm, bei dem wir es genau umgekehrt sehen können. Kämpfe bei der Rückeroberung Europas von Alien-Invasoren, das Design der Tentakelmonster selbst, Pyrotechnik, Verwüstung französischer Strände und des Louvre -das ist manchmal lauwarm. Das Zentrum des Alienkollektivs, über dem der Held im Wasser schwebt, bevor er erwacht, sieht uterin aus: Das macht auch keinen schlanken Fuß - aber es hat Sinn in einem Zeitreise-Mindgame-Film, der vom Getrampel ins Temporale übergeht.

Ein zu den Landungstruppen versetzter PR-Offizier wird nach jedem Kriegstod am Tag davor wiedergeboren, erlebt alle Schrecken aufs Neue; zwecks Rettung der, öh, Menschheit lernt er, es jedes Mal anders zu machen, nutzt sein Vorwissen um immer mehr Detailabläufe. Das bildet im Kleinen eine Ballerspielerfahrung nach ("Bis hierher weiß ich, was kommt!"), im großen Look und der Logistik des D-Day vor 70 Jahren (plus die Erste-Weltkriegs-Chiffre Verdun) - und kommt im Pärchenplot gut: Tom Cruise, gerade im Grinsen gespalten wie in seinen besten Rollen, wird von einer Superkriegerin (gut wie stets: Emily Blunt) geschult und initiiert; bei jedem Scheitern macht sie an ihm Reset per Kopfschuss. Das Male-Panic-Potenzial der abstrusen Prämisse zeitigt Screwball und Slapstick, Montagehumor und Masochismus. Die klobigen Robot-Bodysuits, das "Führe deinen Führer"-Motiv und Bill Paxton als keppelnder Sergeant sind hübsche Grüße an James Cameron; ansonsten grüßt das Murmeltier, durchaus höflich.

Ab Fr in den Kinos (OF 3-D im Artis und Haydn)


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