Die gute Palette

Neues Leben am Vorgartenmarkt: bio und hochwertig

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Am Wochenende soll hier angeblich der Bär los sein, sagen Menschen, die hier schon einmal am Wochenende waren. Unter der Woche ist es hingegen eher ruhig bis melancholisch am Vorgartenmarkt. Womit er sich vom Karmeliter- und vom Volkert-Markt – den anderen beiden Märkten in der mit Märkten damit absolut und nach wie vor rekordmäßig ausgestatteten Leopoldstadt – aber nicht so wahnsinnig unterscheidet. Das voriges Jahr gestartete „Big Garten“ gibt’s immerhin noch, ein gutes Zeichen irgendwie. Und was Neues kam vor etwa einem Monat auch dazu, nämlich die „Palette“.

Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Feinkosthandlung und Bioladen, ausgestattet mit einem Pult entlang der Fensterfront und zwei freundlichen Tischchen auf der Marktgasse, innen alles aus Euro-Paletten gebastelt, die Pulte ein bisschen zu hoch für die Sessel, aber dafür schön abgeschmirgelt, damit man sich keine Schiefer einzieht.

Bettina Hradescni war 15 Jahre für die Grünen Konsumentenschutz-Sprecherin, und ein wenig bang erinnert man sich an Andrea Danmayr, dereinst Pressesprecherin der Grünen, die mit ihrem 2008 eröffneten Lokal am Karmeliterplatz nicht so wirklich erfolgreich war, und an Patricia Bersin-Weichenberger, die für die Veranstaltungen des grünen Parlamentsclubs verantwortlich zeichnete, und deren Coté Sud zwar unendliche Ambitionen an den Tag legte, aber halt auch recht viel Naivität.

Was man von Bettina Hradescni jetzt aber nicht sagen kann, die Frau weiß auch, wie das wirkliche Leben funktioniert, schließlich betreibt sie mit ihrem Mann seit geraumer Zeit einen Stand namens „Kaszeit“ am Bio-Markt auf der Freyung und ist dort sehr erfolgreich.

Vor diesem Hintergrund wurde sie auch vom „Kulinarischen Erbe Österreich“ – dem kulinarischen Department der Agrarmarkt Austria – dazu eingeladen, diesen Stand am Vorgartenmarkt zu übernehmen. Ein Monat wurde umgebaut, dann eröffnet. Einstweilen sei die Karte noch klein, meint Frau Hradescni, jeden Tag ein selbstgemachtes Gericht wie zum Beispiel Einkornrisotto oder Ratatouille, was jetzt nicht unbedingt nach dem völligen Burner klingt, muss man ganz ehrlich sagen. An diesem Tag stand Paradeissuppe mit Käsestückchen am Programm, und die war eh okay, und dazu so getoastete Scheiben Joseph-Brot mit geschmolzenem Käse, nett.

Viel lustiger ist es aber, sich von Bettina Hradescni ein bisschen was aus der Vitrine aufschneiden zu lassen, weil da hat sie immerhin das wirklich feine Mangalitza-Programm vom Thum drin und die Käse unter anderem vom Käseguru Gunther Naynar und anderen, und da braucht man dann eigentlich kein Einkornrisotto mehr. Vielleicht noch ein bisschen mehr nette Getränke und eine etwas schnellere Aufschnittmaschine. Zumindest am Wochenende, wenn der Bär los ist.

Resümee:

Der Vorgartenmarkt lebt. Noch immer oder eh noch oder eh schön langsam, egal, ganz wunderbar. Und die Palette trägt dazu bei.

Palette
2., Vorgartenmarkt 22–23
Tel. 0664/160 60 38
Di–Fr 7–18, Sa 7–13 Uhr
www.palette.or.at


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