Unsere Gefängnisse sind zu billig

Um Geld zu sparen, kommen psychisch Kranke nicht ins Krankenhaus, sondern in Haft. Das gehört geändert

Falter & Meinung | GASTKOMMENTAR: OLIVER SCHEIBER | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Ein Mann, um die 30, steht vor Gericht. Er kroch in einen Flaschenrückgabeautomaten eines Supermarkts. Detektive nahmen den Mann mit von Scherben zerschnittenen Armen am Flaschenförderband fest. Er wollte zehn Flaschen neuerlich durchlaufen lassen und sich mit dem ergaunerten Leergutbon ein Abendessen kaufen.

Die Staatsanwaltschaft hat den potenziellen Schaden auf zehn Euro geschätzt und beantragt, dass der Mann seine bedingte Strafe vom letzten Mal - gewerbsmäßiger Diebstahl von Leerflaschen -absitzen soll. Der Mann hätte somit rund ein Jahr Haft vor sich.

Er ist dann einer von mehr als 8000 Insassen unserer Haftanstalten. Die Zahl der Häftlinge steigt seit Jahren, während die Kriminalität sinkt. In Österreich kommen auf 100.000 Einwohner 104 Häftlinge.

In Deutschland sind es 87, in Norwegen, Schweden, Dänemark und den Niederlanden um die 70 und in Finnland nur 61 Insassen. Die Quote der unter 18-jährigen Häftlinge zählt mit 1,6 Prozent aller Gefangenen zu den höchsten innerhalb


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