Film Neu im Kino

Krimi so lala: "Die zwei Gesichter des Januars"

Lexikon | MICHAEL PEKLER | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Sommer 1962. Das amerikanische Ehepaar MacFarland besichtigt die Akropolis, wird aber seinerseits von einem jungen Mann ins Visier genommen. Vor allem an dem schon etwas älteren Ehemann zeigt sich der junge Fremde interessiert, der, wie sich bald herausstellt, ebenfalls Amerikaner ist und als Fremdenführer in Athen arbeitet. Jedenfalls behauptet er das, so recht glauben kann man seine Geschichte, wie so viele andere in diesem Film, ohnehin nicht. Man kommt ins Gespräch, verbringt einen netten Abend, vergisst einen Armreif im Taxi und hinterlässt im Grandhotel einen erschlagenen Privatdetektiv.

"Die zwei Gesichter des Januars", von Patricia Highsmith 1964 und also bereits nach ihren besten Romanen und großen Erfolgen geschrieben, ist eine typische Dreiecksgeschichte, die sich für Highsmith typischer Zutaten bedient, um mit für Highsmith typischen Charakteristika eines Thrillers zu überzeugen. Deshalb funktioniert die Kinoversion von Hossein Amini, der zudem fürs Drehbuch verantwortlich zeichnet, auch so lange recht ansehnlich, bis diese Bausteine die Geschichte und ihre Figuren förmlich unter sich begraben. Gerade weil es gar keine Rolle spielt, wer wen warum ermordet, wer auf wen warum eifersüchtig ist und wer warum Schuld auf sich geladen hat, funktionieren Highsmith-Romane im Kino wie bei Hitchcocks "Strangers on a Train" nur als eine Lektüre von Zeichen: als ein Austausch heimlicher Blicke, als Wahrnehmung versteckter Gesten, als Hinauszögern unaufschiebbarer Handlungen. "Die zwei Gesichter des Januars" hingegen verlässt sich auf Schauplatz und Stars: Viggo Mortensen, Kirsten Dunst und Oscar Isaac tarnen sich auf ihrer Fluchtinsel Kreta nicht nur als unschuldige Touristen, sondern wirken so, als ob sie für ihr Katz-und-Maus-Spiel auch das Filmset nur hin und wieder besucht hätten.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Burg)


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