Kunst Kritik

Raumillusionen: ohne Kamera kein Tiefenblick

Lexikon | NS | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Es sind weniger die Straßen, Plätze oder Leute einer Stadt, die Philipp Timischl bei den urbanen Videofahrten seiner aktuellen Schau interessieren. Vielmehr zielt die vielschichtige Ausstellung in der Galerie Emanuel Layr auf die Konstruktionsweisen von Räumen ab. Und das geht der junge Künstler ganz konkret und sehr exakt an: Mittels Fototapeten hat Timischl der Galerie Durchblicke in neue Räume verpasst, bei denen es sich zum Beispiel um eigene frühere Ausstellungen handelt. Um eine größtmöglich Perfektion zu erreichen, basieren diese Raumillusionen auf Renderings. Wer sie fotografiert, erlebt eine Überraschung, denn plötzlich treten die architektonischen Details und Objekte dreidimensional entgegen. Allerdings gilt es für mit Smartphone ausgestattete Besucher erst den genauen Fotostandpunkt herauszufinden, von dem aus diese Scheinräume konstruiert sind.

In dieser klugen Reflexion über das (Nach-)Leben von Ausstellungen als Installations-Shots erschöpft sich die Schau aber bei weitem nicht. Die Videos des 1989 geborenen Künstlers führen in Städte wie London oder Paris, die er jedoch ganz beiläufig und ohne Sehenswürdigkeiten filmt. Emphase verleihen den Stadtansichten erst die bedruckten Leinwände, die direkt über den am Boden positionierten Flatscreens platziert sind. Der Blick geht bei diesen Bildschirm-Leinwand-Skulpturen ständig hin und her: vom Stadtspaziergang zu den statischen Bildern, die durch Epoxidharz lackiert auch noch stellenweise glänzen. Einmal kommt auch ein gesprochener und abgedruckter Dialog zum Einsatz, dessen Inhalt weniger relevant als der formale Medienwechsel ist. Die letzte Installation lässt in das Dächermeer von Paris eintauchen: Wieder ist es hier die Kamera, die das Rundbild am Boden erst zum Leben erweckt.

Galerie Emanuel Layr, bis 21.6.


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