Umgekehrtes Stockholmsyndrom

Das Enfant terrible ist eigentlich ganz nett: "Die Entführung des Michel Houellebecq"

Feuilleton | FILMKRITIK: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Über die Jahre hat sich der französische Schriftsteller Michel Houellebecq den Ruf eines muffigen und misanthropischen Sacks erarbeitet. Seine Anstrengungen, dieses Image zu korrigieren, dürfen als enden wollend gelten. Übermäßig eitel ist der Mann allem Anschein nicht.

In seinem bislang letzten Roman, "Karte und Gebiet" (2010), macht er sich einen grimmigen Spaß daraus, sich selbst grausam ermorden und mit einem chirurgischen Laserschneider professionell portionieren zu lassen. Bevor ihn dieses schreckliche Schicksal ereilt, empfängt der vereinsamte und verwahrloste Dichter noch den Protagonisten des Romans, den Künstler Jed Martin, dem er beim zweiten Treffen gesteht, wieder von seiner alten Sucht heimgesucht zu werden: "Ich bin total rückfällig geworden, was Wurst angeht."

Obwohl das Bedürfnis nach Wurst nicht so drängend ist wie dasjenige nach Nikotin und Alkohol, bringt Houellebecq als Darsteller seiner selbst auch in dem Spielfilm "Die Entführung des Michel Houellebecq"


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