Enthusiasmuskolumne Diesmal: der beste übersetzte Witz der Welt der Woche

Viel Spaß mit Freud

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Zu den US-amerikanischen Autoren der Nachkriegszeit, die in den letzten Jahren neu übersetzt und wiederentdeckt wurden, zählt neben Richard Yates und Raymond Carver auch John Cheever. Zuletzt ist Cheevers letzter, kurz vor dessen Tod im Jahr 1982 erschienener Roman "Oh What a Paradise It Seems" erschienen.

"Ach, diese Paradiese" (Dumont, € 18,50) ist bloß 128 Seiten schmal, man wird dort aber gewiss mehr Literatur finden als in so mancher 800-Seiten-Schwarte. Protagonist ist ein in die Jahre gekommener Geschäftsreisender namens Lemuel Sears, der sich zum flammenden Umweltschützer entwickelt, als er mitansehen muss, dass sich der idyllisch gelegene Beasley-See, auf dem er so gerne Schlittschuh läuft, in eine Mülldeponie verwandelt -wobei hier auch die Mafia ihre Finger mit im Spiel hat. Zum Drüberstreuen gibt's auch noch die gern genommene Gesetzter-Herr-liebt-wesentlich-jüngere-Frau-Geschichte, die man so freilich ganz sicher noch nicht gelesen hat.

Cheever-Versteher Peter Handke hat den verehrten Autor im Nachwort pfiffi g als "Entertainer ohne Kunstgriffe" bezeichnet. Very entertaining aber auch der Kunstgriff, mithilfe dessen es dem Übersetzer Thomas Gunkel geglückt ist, einen eigentlich unübersetzbaren Wortwitz so zu übersetzen, dass er lustiger ist als im Original.

Dort ist davon die Rede, dass sich mittlerweile sogar tollpatschige Kellnerinnen auf einen "Freudian slip" rausreden: "Das Freud'sche Vokabular war tief in die Umgangssprache eingesickert, und wenn die Kellnerin in einem Fernfahrerlokal Bier verschüttete, sagte sie: ,Huch, das war eine Freud'sche Fehlleistung.' Wenn man fragte, wie sie das meine, antwortete sie:,Was ist mit Ihnen los? Sind Sie von gestern? Ich hab mir vor Freude einen Fehler geleistet.'" Genial!


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