Mediaforschung Verführungskolumne

Ein tierisches Statement gegen die Selfisierung der Menschen

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Papageitaucher sind ein Rätsel, niemand weiß genau, woher sie kommen, man weiß nur: Im Frühjahr landen sie an den steilen Küsten Großbritanniens, um dort zu brüten. Das Rätsel schaut ein bisschen aus wie ein Pinguin, schwarz-weiß, mit dreieckig gerahmten Augen, Entenflossen und einem ziemlich eigenwilligen Schnabel. Das Magazin National Geographic widmet dem komischen Vogel in der deutschsprachigen Juni-Ausgabe eine Reportage, und wie immer lebt die Geschichte nicht vom Text, sondern von den virtuosen Fotos.

Für National Geographic arbeiten die besten Fotografen der Welt, deren Superbilder sind das wichtigste Verkaufsargument des Magazins. Doch in Zeiten der großen Bilderflut drohen ihre Kunstwerke verschütt zu gehen. Denn heute wähnt sich fast jeder als Fotograf, mit dem Smartphone ist eine Kamera jederzeit griffbereit im Hosensack. Die Folge: massenhaft schlechte Bilder, am liebsten von uns selbst. Das Phänomen hat einen Namen: "Selfie".

In ihrer aktuellen Kampagne spielt das Heft genau mit diesem Thema. Da posiert ein Panda im Lift und knipst sich selbst, da machen Gorilla und Koala Selfies vor dem Spiegel zu Hause. "Es gibt viele schreckliche Tierbilder da draußen", heißt es in der Kampagne, "die besten Naturfotos finden Sie im National Geographic."

Ganz haben die Kampagnengestalter den Unterschied zwischen guten und schlechten Fotos nicht herausgearbeitet. Denn im National Geographic sehen sogar die Selfies ziemlich cool aus.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige