Diese Typen sind 1a, der Young Neil und der Pallett Owen aus Kanada

Feuilleton | MUSIKKRITIK: GERHARD STÖGER | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Warum" war bei Neil Young immer schon die falsche Frage. Richtiger wäre "warum nicht". Warum nicht Kitsch und Sturschädelrock jahrzehntelang sanft variiert kombinieren? Warum nicht spontanen Eingebungen und Schrullen folgen? Und warum nicht an vorderster Front für Tip-Top-Soundqualität in digitalen Scheißegalklangzeiten kämpfen -und dann ein Album machen, das wie eine verstaubte Schellack klingt?

Mit dem Downloadservice Pono arbeiten Young und sein Unternehmen Pono Music an einem digitalen Player, dessen Sound Maßstäbe setzen soll. Sein neues Album "A Letter Home" aber klingt immer gleich schlecht, ob über das Schrotthandy oder das High-Fidelity-System abgespielt.

Mit Gitarre, Mundharmonika, einem Brief an seine verstorbene Mutter und einer Handvoll biografisch wichtiger Lieblingslieder von Bert Jansch über Phil Ochs und Willie Nelson bis zu Gordon Lightfood hat sich Young in Jack Whites Voice-O-Graph gesetzt, einer aus dem Jahr 1947 stammenden Aufnahmekabine in der Größe einer Telefonzelle, die das Gespielte und Gesungene in Echtzeit in Vinyl ritzt, Nachbesserungen ausgeschlossen. Wie so manche Young-Platte davor ist "A Letter Home" gewöhnungsbedürftig, wie so viele Young-Platten davor ist sie aber vor allem auch rührend.

Perfektion statt Klangnostalgie ist das Motto von Owen Pallett, der wie Neil Young aus Kanada kommt, ebenfalls für emotionales Songwriterliedgut steht, statt der Gitarre aber die Violine spielt und ornamentale Poppracht der Rockgeradlinigkeit vorzieht.

Bekannt wurde Pallett, der mit 34 genau halb so alt wie Neil Young ist, als Streicherarrangeur von Arcade Fire, solo war er bis zu einem Rechtsstreit mit einem Computerspielehersteller als Final Fantasy tätig. "In Conflict", das zweite Album unter eigenem Namen, nähert sich hintergründig dem Thema Liebe. Die Songs sind zwar ein bisschen gleichförmig, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, heißt "gleich" hier doch auch "gleich gut".

Neil Young & Crazy Horse live: 23.7., Wiener Stadthalle


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