Kraliceks Festwochentagebuch Notizen eines Festivalbesuchers auf der Suche nach dem Theaterglück (3)

Lügen und Geheimnisse, Heroin statt Grießbrei

Feuilleton | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Dienstag, 20. Mai: Liebes Tagebuch! Heute habe ich das bisher lustigste Stück dieser Festwochen gesehen. Es handelt von zwei Freunden, István und Imre, im Ungarn um 1980. István hat Sex mit seiner siebenjährigen Stieftochter, Imre gibt eine illegale Zeitung heraus. István wird von der Staatssicherheit erpresst und als Spitzel auf Imre angesetzt. Imre wird verhaftet, István bringt sich um.

Du meinst, das klingt gar nicht komisch? Stimmt, aber genau das ist ja der Witz. Der ungarische Autor, Regisseur und Schauspieler Béla Pintér erzählt in "Titkaink" ("Unsere Geheimnisse") eine knallharte Geschichte, ganz direkt, ohne irgendetwas zu verharmlosen. Aber Pintér und seine großartige Company zeigen immer auch die Komik, die in der Geschichte steckt. Stilistisch kommt die burleske Aufführung fast wie ein Schwank daher, und doch vergreift sie sich nie im Ton. Das gilt auch für die Musik: István und Imre betreiben ein Volksmusikstudio, und so kommen auch -thematisch passende - Volkslieder


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