Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Niederreißen

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Als vor den letzten Nationalratswahlen ÖVP-Obmann Michael Spindelegger dem Falter das Gespräch verweigerte, erinnerte sich der Chronist dunkel daran, dass das mit der ÖVP auch schon einmal anders gewesen war. Hier ist der Beweis: ",Die nackte Kanone 33 1/3' prangte zwar über dem Eingang des Kino-Tempels Apollo, doch gegeben wurde nicht der Schwachsinns-Film mit Leslie Nielsen, vielmehr stellte die ÖVP ihr Programm ,Lust auf Wien' vor. Armin Thurnher erläuterte, warum Parteien Programme brauchen, Bernhard Görg referierte die Kernpunkte "

Tatsächlich, die ÖVP hatte Ihren Chronisten eingeladen, die Eröffnungsrede zur Präsentation des (Wiener) Parteiprogramms zu halten. War als Provokation gemeint, innerparteilicher Weckruf etcetera, hat aber nichts genützt. Im Falter figurierte die Meldung in der Rubrik "Wienzeug". An der Tatsache, dass in einem Inserat Kommerzialrat Herbert Rast (Kelly GmbH) zum Falter-Publikum sprach ("Härtefälle durch einen EU-Beitritt abgefedert"), konnte man erkennen, worum es politisch ging: um die letzten Tage vor der EU-Abstimmung.

Bernhard Odehnal begleitete EU-Staatssekretärin Brigitte Ederer durch die Leopoldstadt ("Ein Tag mit Gitti"). "Österreich, da sind sich die fröhlichen Leopoldstädter, die den angebrochenen Nachmittag mit Sekt und Eierlikör begießen, einig, sei nicht mehr so schön wie früher. Und Schuld daran trage eine Regierung, die Ausländer sogar noch einlade, ins Land zu kommen.,Unsere Generation', tönt es im Chor aus einer Gruppe älterer Damen, hat Österreich aufgebaut. Die Jungen reißen es jetzt nieder.'"

Über ihren Köpfen sind die Porträts der Aufbauer und Niederreißer friedlich vereinigt: Viktor Adler, Fred Sinowatz, Franz Vranitzky. Demokratische Traditionen sind den fröhlichen Leopoldstädtern allerdings noch heilig. "Alle werden sie am 12. Juni in die Wahlzelle marschieren, um ihr Kreuzerl zu machen -auf dass auch die Enkerl noch von den Leistungen der Aufbaugeneration profitieren.,Aber wenn Brüssel regiert', befürchtet Herr Skrivanetz, ,is ma ka richtiger Österreicher mehr.'"


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