Tiere

Un(ter)arten

Falters Zoo | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014


Um dem Namen dieser Kolumne gerecht zu werden, wird hier nun endlich einmal ein Lebewesen zum offiziellen Tier der Woche ernannt: die Europäische Sumpfschildkröte. Sie ist, ihrem Namen entsprechend, nicht im Herzen, sondern vor allem in ihrer Verbreitung eine echte Europäerin. Ihr Lebensraum erstreckt sich über mehr als 6000 Kilometer von der Iberischen Halbinsel in Richtung Osten bis zum Aralsee. Auch wenn sie die Internationale Naturschutzunion IUCN als „gering gefährdet“ einstuft, gelten die bevorzugt in den Wiener Augewässern lebenden Tiere als „vom Aussterben bedroht“.

Maximal 1000 einheimische Exemplare gibt es nur mehr von ihr, alle anderen Sumpfschildkröten sind allochthon (so benennt man jetzt Zuwanderer mit einem eleganteren Wort). Aus Gründen, die ihren Ursprung vermutlich in einer Zwangsneurose haben, werden 14 Unterarten der Europäischen Sumpfschildkröte beschrieben und mehreren Gruppen zugeordnet. Dazu werden feinste Nuancen in der Färbung des Panzers unterschieden, um … halt eben Unterschiede festzustellen. Der stellvertretender Direktor des Frankfurter Zoos meinte dazu in einem Interview: „Wir haben bei uns verschiedene Populationen aus dem Mittelmeergebiet – vom Balkan und aus Spanien. Und wenn wir diese jetzt munter miteinander kreuzen, dann kriegen wir irgendwelchen Nachwuchs, der nicht mehr optimal an unsere Klimabedingungen angepasst ist und der dann eine hohe Sterblichkeit hat.“

Freizügigkeit gilt in der Europäischen Union nicht für Tiere! Methusalix, der alte Gallier aus den Asterix-Comics, brachte es auf den Punkt: „Ich habe nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde, aber diese Fremden sind nicht von hier.“ Es klingt schon seltsam, wenn man in Naturschutzforen leicht hysterische Sätze wie diesen liest: „Mehr als jede andere heimische Kriechtierart wird der Fortbestand der österreichischen Populationen der Europäischen Sumpfschildkröte durch Aussetzungen fremdländischer Arten in Gefahr gebracht.“

Dabei sind diese „fremdländischen Arten“ oft im Freiland optisch nicht voneinander zu unterscheiden, sondern können erst nach Genanalyse eingeordnet werden.

Ein typisches Erkennungsmerkmal der Europäischen Sumpfschildkröte sind viele gelbe Punkte auf einem dunklen Rückenpanzer. Mein Tier der Woche hat jedenfalls genau 12 gelbe Sterne.


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