Ein Bild braucht den richtigen Rahmen

In den Filmen des taiwanesischen Regisseurs Hou Hsiaohsien ist jeder Kamerawinkel und jede Einstellung auch eine Frage der Moral

WERKWÜRDIGUNG: GERHARD MIDDING | Feuilleton | aus FALTER 22/14 vom 28.05.2014

Als ihn die französische Tageszeitung Libération vor einigen Jahren bat, die Schlüsselereignisse seines Lebens aufzulisten, notierte er für das Jahr 1998: "Zum letzten Mal mit einem Taxifahrer geprügelt. Nun ist meine Jugend zu Ende."

Im Jahr davor hatte er seinen 50. Geburtstag gefeiert, aber die Aussage muss man nicht als Koketterie verstehen. Denn in dieser Zeit fing Hou Hsiao-hsien an, Filme über eine jüngere Generation zu drehen. Er entdeckte die Lust, moderne, zeitgenössische Geschichten zu erzählen, ein aktuelles Lebensgefühl einzufangen.

Er ließ es zu, dass sein Werk mit einem Mal in Unordnung geriet. Bis dahin war es relativ klar nach Zyklen strukturiert, mutete planvoll an. Hous frühe Filme sind vielschichtige Beschwörungen der eigenen Kindheit und des Heranwachsens.

Er war zwei Jahre alt, als seine Familie wegen des Bürgerkriegs von Festlandchina nach Taiwan floh. Sein Kino vollzieht diesen Bruch nach. "A Summer at Grandpa's"(1984) etwa folgt der Perspektive von Stadtkindern,

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