Kommentar Google

Das Recht auf Vergessen darf auch nicht grenzenlos sein

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

Das ist wohl Googles Albtraum: Seit kurzem bietet die Suchmaschine den europäischen Usern ein Webformular an, mit dem diese veraltete und unliebsame Suchergebnisse von sich selbst löschen lassen können. Der Europäische Gerichtshof hat angeordnet, dass es dieses "Recht auf Vergessen" geben muss. Schon am ersten Tag trafen 12.000 Löschanträge bei Google ein.

Im ersten Moment klingt das toll: Ist doch super, wenn Google das Vergessen lernt und man nicht auf ewig von unvorteilhaften Partyfotos oder beleidigenden Postings verfolgt wird. Der Urteilsspruch ist jedoch sehr umstritten, weil ausgerechnet Google in erster Instanz entscheidet, was es löscht. Die Gefahr ist nun, dass Google gar keine genaue Prüfung mehr durchführt, zigtausende Anträge einfach nur durchwinkt und im schlimmsten Fall sogar Informationen über Personen des öffentlichen Interesses entfernt, etwa ehemalige Kabinettsmitarbeiter, die in staatliche Korruptionsaffären verwickelt sind. Nur weil diese Affären mittlerweile Geschichte sind, heißt es nicht, dass unsere Gesellschaft das vergessen soll.

Ein bisschen Vergessen ist sicher wichtig, totales Vergessen hingegen schlecht. Manche Datenschützer möchten aber tatsächlich alles löschen. Das zeigt eine Aussendung der Arge Daten, die eine extreme Interpretation des EuGH-Urteils vertritt. Demnach soll Google nicht nur einzelne, unvorteilhafte Links entfernen, sondern alle Treffer zu einer Person. Das würde langfristig den Tod der Suchmaschine bedeuten und kurzfristig zu absurden Fragen führen: Wenn jemand Martin Huber heißt und sich online löschen lassen will, müssen dann alle anderen Martin Hubers auch ins digitale Nirwana?


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