Zu viel Theater auf dem Theater: Jan Bosse inszeniert "Die Möwe"

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

Von den anderen Tschechow-Dramen unterscheidet sich "Die Möwe" dadurch, dass hier nicht nur das Leben, sondern auch die Kunst verhandelt wird: Das Stück ist ein Künstlerdrama zwischen den Generationen. Jungautor Konstantin fordert "neue Formen" in Literatur und Theater; was er darunter versteht, demonstriert er mit einem sperrigen Monodrama. Die Inszenierung dieser Theaterim-Theater-Szene ist heikel: Nimmt man das Machwerk ganz ernst, macht man sich lächerlich; nimmt man es gar nicht ernst, macht man den Helden lächerlich.

Im Akademietheater hat Jan Bosse dafür eine überraschende, kluge Lösung gefunden: Er holt das ganze Publikum ins Boot. Schon während des Einlasses sind der nervöse Autor/Regisseur Konstantin (Daniel Sträßer) und die junge Schauspielerin Nina (Aenne Schwarz) auf der Bühne und proben; die Zuschauer werden zur Mitarbeit aufgefordert: Auf ein Stichwort sollen sie kleine rote Lämpchen hochhalten. Effekt: Indem man selbst involviert ist, erlebt man die Szene unmittelbarer


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige