Kindern und Haaren beim Wachsen zusehen

So etwas gab's im Kino noch nie: Für "Boyhood" haben sich Regisseur Richard Linklater und sein großartiges Ensemble zwölf Jahre Zeit genommen

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

Mason junior hat 15. Geburtstag. Mason senior kommt ihn abholen: mit neuem Schnurrbart, neuer Frau, neuem Baby und neuem Minivan. Den alten Sportwagen hat er einem Sammler verkauft, und so bekommt Mason statt des schwarzen Pontiac GTO bloß "das schwarze Album" der Beatles geschenkt: eine selbstgebrannte Best-of-Kompilation aus den Solokarrieren der Fab Four, über deren perfekt ausgeklügelte Zusammenstellung der Senior dem enttäuschten Junior gleich eine Vorlesung hält.

Diese Szene mitten im Film ist möglicherweise das geheime Herzstück von "Boyhood", einem episch angelegten Entwicklungsroman, in dem Richard Linklater vom Leben eines Burschen aus Texas erzählt. Einzigartig daran ist, dass Mason quasi in Echtzeit erwachsen wird: 12 Years a Film - von der Volksschule bis zum College! Denn nicht weniger als zwölf Jahre hat der Filmemacher auf die Realisierung dieses Werks verwandt, von 2002 bis 2013 immer wieder ein paar Tage mit denselben Darstellern gedreht.

"Boyhood" ist der rare


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