Tiere

Kugel-Schreiber

Peter Iwaniewicz beklagt, dass das Maskott chen nur drei statt tatsächlich fünf Klauen hat

Falters Zoo | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014


Kennen Sie den Brazuca? Fragen Sie mich nicht, ob das ein Familien- oder Vorname ist. Sicher ist nur, dass der neue Ball der Fußballweltmeisterschaft so heißt. Bislang war mir entgangen, dass seit 1958 der Weltfußballverband alle seine runden Spielsachen tauft. Eine fatale Wissenslücke, durch die ich dereinst schon in der Vorrunde einer Quizshow scheitern werde, wenn ich Fifa-Fußbälle alphabetisch ordnen soll.

Das Maskottchen der heurigen Fußball-WM in Brasilien hingegen heißt Fuleco. Eine seltsame Wortchimäre, die aus den Begriffen Fußball und Ökologie gezeugt wurde. Das mit diesem synthetischen Namen belegte Symboltier existiert aber tatsächlich: Das Nördliche Kugelgürteltier hielt man bis zu Beginn der 1990er-Jahre für ausgestorben, heute wird es „nur“ mehr als gefährdet eingestuft. Auf der offiziellen Maskottchen-Website zur WM findet sich kein Hinweis auf den schutzwürdigen Status, nur der übliche PR-Sprechdurchfall: „Wie so viele meiner Landsleute bin ich warmherzig und gastfreundlich. Meine Social-Media-Profile pflege ich rege, damit meine Familie und Freunde an meinem Leben teilhaben können.“ Ja, eh.

In Brasilien werden die Tatu (Tupi-Sprache: ta = hart und tu = dick) genannten Tiere stark bejagt und gerne samt ihrem Knochenpanzer aufs Grillfeuer gelegt. Gerade von dieser nördlichen Art existieren aber nur mehr wenige tausend Tiere in der Caatinga-Region im Nordosten Brasiliens. Jetzt haben Wissenschaftler eine Kampagne gestartet und die Fifa aufgefordert, konkrete Maßnahmen zur Erhaltung dieser seltenen Tierart zu setzen. Vorgeschlagen wird, dass sich die Fifa und die brasilianische Regierung verpflichten, pro Tor, dass bei dieser Weltmeisterschaft geschossen wird, 1000 Hektar der Caatinga zur Schutzzone mit Jagdverbot zu erklären.

Rodrigo Castro, Präsident der „Associação Caatinga“ beklagt, dass viele Brasilianer überhaupt nicht wissen, dass das Maskottchen Fuleco ein Gürteltier darstellen soll, nicht einmal in der Caatinga, wo die Tiere noch vorkommen.

Auf der Fifa-Website erklärt dafür Fuleco: „Tanzen ist meine Leidenschaft. Neben der ‚Gürteltierrolle‘ habe ich einige besondere Tanzschritte in meinem Repertoire, die vom Samba, Forró, Frevo und Axé inspiriert sind.“ Na also, wenn die Gürteltiere so fröhliche Tänzer sind, dann ist das alles wohl wieder nur Ökoterror.


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