Pressekolumne

Wie gedruckt

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

Die Seite 3 der Süddeutschen Zeitung ist die beste Reportageseite im deutschsprachigen Raum. Zumindest meistens. Vor zwei Wochen erschien dort ein Porträt eines deutschen Autors, der jetzt in Wien lebt. Joachim Lottmann heißt der Mann. Man muss ihn nicht unbedingt kennen, nachdem man Hilmar Klutes Text gelesen hat, will man es ohnehin nicht mehr. "Zu Besuch bei einer Giftspritze", heißt es im Untertitel, und Klute lässt echt nichts aus. Er karikiert Lottmann und die Wiener Publizistenszene derart bösartig und bissig, dass Doris Knecht - die so wie Klaus Nüchtern und ein paar andere auch vorkommt - später via Facebook sogar ein paar Details richtigstellen musste.

Klute hat beim Schreiben offenbar versucht, sich ganz in Joachim Lottmann hineinzuversetzen und seinen - angeblich so giftspritzigen - Stil zu imitieren. Journalisten brauchen Empathie für jene, die sie beschreiben wollen. Man kann es aber auch übertreiben.


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