Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

"Welche Themen gehen Ihnen ab?" So lautet eine Standardfrage an alle von außen kommenden, also nicht selbst der Redaktion angehörenden Blattkritiker. In der Regel wird sie von Ingrid Brodnig gestellt, und in der Regel geht die Antwort in Richtung: Nein, passt schon, ich konsumiere eh noch andere Medien auch. Nun ist es recht einfältig zu glauben, dass niemand zu interessieren bräuchte, was nicht in der Zeitung steht. Mitunter ist es sogar interessanter als das, was tatsächlich gedruckt wird. "Ein Journalist ist ein Mensch, der immer etwas Wichtigeres zu tun hat und daher nie zum Wichtigen kommt", wusste Heimito von Doderer. Umgekehrt kann man natürlich sagen: Was immer man auch schreibt, es gibt immer etwas Wichtigeres.

Oft hat es ganz banale Gründe, warum etwas nicht erscheint. So kann man schlecht ein Gespräch mit Michel Houellebecq bringen, wenn der den vereinbarten Interviewtermin platzen lässt. Wirklich talentierte Journalisten wie Tom Kummer kriegen auch das hin, aber im Falle von Houellebecq wäre es wohl irgendwie aufgefallen, weil er nicht bloß den Falter versetzt, sondern alle verarscht hat, es somit einigermaßen offi ziell war. Dabei hätten wir der alten Zwiderwurzn eine Kaminwurzn geschenkt (was er natürlich nicht hat wissen können, andernfalls er ja vielleicht doch ins Flugzeug gestiegen wäre). So hat Houellebecqs Absenz der Redaktion eine Grundsatzdebatte darüber erspart, was cooler am Cover kommt: ein kinderkompatibler junger Rapper oder ein dirty old man. Ich weiß jedenfalls, wofür ich optiert hätte.


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