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Sparen für Genies

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

In ihren Kursen sitzen zum Beispiel Menschen, die als Teenager schon Kinder bekommen haben, notorische Schulverweigerer oder Leute mit Drogenvergangenheit, auch traumatisierte Flüchtlinge aus Kriegsgebieten sind dabei. Die Schüler der externen Hauptschule von ISOP in Graz sind sehr unterschiedlich. Doch eines eint sie: Sie haben in ihrer Jugend die Pflichtschule abgebrochen. Keine andere Gruppe hat, laut Arbeitsmarktservice, am österreichischen Arbeitsmarkt schlechtere Chancen. In Schulen wie jener von ISOP können Schulabbrecher den Pflichtschulabschluss nachholen, damit ihnen ein Arbeitslosenschicksal möglichst erspart bleibt. Der Andrang ist groß, zudem kommen pro Jahr österreichweit mehr als 2000 Schulabbrecher dazu. Bund und Länder teilen sich derzeit die Kosten, doch nun wackelt die Finanzierung.

Die Vereinbarung zwischen Bund und Ländern wird neu verhandelt, laut Presse soll im Bund nur noch ein Bruchteil der Mittel vorgesehen sein. Robert Reithofer, Geschäftsführer von ISOP, schlägt Alarm: "Die Finanzierung hängt völlig in der Luft." Im Ministerium heißt es, man gehe davon aus, dass Bund und Länder die Mittel "partnerschaftlich" sicherstellen. Wie viel der Bund in Zukunft beisteuern will, wird mit Verweis auf die Verhandlungen aber nicht verraten. Das Land könne die Kosten jedenfalls nicht übernehmen, winkt man im Büro des zuständigen Landesrates ab. Kein Wunder, dass die Betroffenen nun fürchten, dass beim Nachholen des Pflichtschulabschlusses gespart wird. Man muss allerdings kein Genie sein, um sich auszurechnen, dass etwa Arbeitslosengeld und Mindestsicherung wohl viel mehr kosten als ein Hauptschulabschluss.

Donja Noormofidi ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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