Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Pro und Kontra

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

Mit leisem Bangen liest man nach, was man damals von sich gegeben hat. Immerhin stand die Volksabstimmung über den EU-Beitritt an. "Ein 14-seitiger Falter-Sonderteil hilft Ihnen bei der Entscheidung", versprach das Titelblatt.

Innen ein doppelseitiger Essay Ihres Autors. Uff. Eine eh einigermaßen differenzierte Empfehlung, mit Ja zu stimmen. Und eine bunte Schilderung der polit-medialen Zustände. "Politik für Medienmechaniker: Wien haben sie im Griff. Das sündteure Kleinformat wirkt und überwiegt das bunte Billigblatt."(Gemeint waren die Kronen Zeitung Hans Dichands, pro, und Täglich Alles seines Ex-Partners Kurt Falk, kontra)."Den Rest macht der ORF. Aber der Rest von Österreich bereitet den Mechanikern Kummer. Der Westen weniger, dort kennt das Volk westliche Nachbarn aus eigener Anschauung wie aus dem kleinen Grenzverkehr und hat am eigenen Leib erfahren, was der Ausschluss einer Industrie vom größeren Markt bedeutet. Aber in den einst protestantischen, gewalttätig rekatholisierten Gebieten des Südens und des Ostens, wo der Jörgl seine demagogische Saat ausgerechnet bei dieser Gelegenheit aufgehen sehen möchte, wo das ,bülliche Blattl' weniger der Erheiterung als der Information dient, dort steht das Nein auf fettem Denkzettelgrund."

Apropos Werbung: Andrea Dusl lieferte nicht nur eine witzige Illustration zum Match EU-Gegner gegen EU-Befürworter. Sie zeigte Hans Dichand als Tormann, der in extremis mit einer Parade gegen den heranstürmenden Peter Pilz rettet. Sie zeichnete auch eine Parodie der offi ziellen Wiener Werbung, die im Falter der Vorwoche (gegen Bezahlung) noch zu bewundern gewesen war. Statt "Vurschrift bleibt Vurschrift" und einem Dr. Helmut Zilk, der die Bevölkerung beruhigte, dass alles gleich und gleich sicher bleiben werde, wenn man mit Ja stimme, kam nun "Dr. Chris Duller" zu Wort. Titel der Inseratenparodie: "Futkarli bleibt Futkarli.""Darf auch weiterhin sein ,Peckerl' stolz am ,Ärmel' tragen und eventuelles ,Schmalz' in österreichischen ,Häfen' absitzen." Na dann!


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