Ein fremdes Land in Öl - das überarbeitete Vietnam von Alfred Resch

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

Da hätte die Fotografie, zumal ihre Street-Photography-Varianten, um ein Haar begonnen, sich etwas auf ihre Transparenz einzubilden, da kommen Künstler wie Alfred Resch daher und machen ihr gewaltig einen Strich durch die Rechnung.

Ja, Fotos mit Ölfarbe zu überarbeiten ist kein netter Zug, insbesondere jenen gegenüber, die weiterhin an die Fotografie als unverbrüchlich objektive Wirklichkeitsaufnahme glauben. Andererseits zieht das Foto aber auch Nutzen aus der Tortur. Um als Bild ernst und wahrgenommen zu werden, kann es schließlich nicht schaden, wenn man die eigene Oberfläche betont, am allerbesten expressiv. Sie dient dann als Ausweis einer künstlerischen Verarbeitung, als Zeichenträger, der sich nicht verstecken muss. Spätestens seit Manet und Cézanne sind das die Bildbetrachter so gewohnt: kein Artefakt ohne nachvollziehbaren Pinselstrich.

Alfred Resch hat die Prozedur, aus Fotos via Ölfarben wahrhaft gültige Bilder zu machen, schon an Landschaftsaufnahmen vorexerziert, die er aus Patagonien mitgebracht hatte. Jetzt zeigt er anhand übermalter Reiseeindrücke aus Vietnam, dass auch Figuren und chaotisch anmutende Straßenszenerien Material hergeben, um in teils affirmativer, teils verschleiernder, teils verdunkelnder und teils auffrischender Weise gegen den Strich gebürstet zu werden. "Vietnam reworked" zeigt Teile einer Werkserie, die "das Fremde weiter verfremdet oder durch die Bearbeitung in eine andersartige Erfahrbarkeit transformiert". So werden Szenen und Motive zu betont künstlerischen Gegenständen.

QL-Galerie, Graz, bis 5.7.


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