Am Apparat Telefonkolumne

Braucht es platte Botschaften für Erfolg, Frau Maurer?

Politik | Interview: Joseph Gepp | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

Vor der EU-Wahl schickte die grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer ein E-Mail an die Parteiführung, in dem sie die Substanzlosigkeit der Wahlkampagne kritisierte. Bald darauf stellte sich heraus, dass die Grünen ihr bestes bundesweites Wahlergebnis überhaupt eingefahren hatten. Falsch gelegen, Frau Maurer?

Frau Maurer, war Ihre Kritik unrichtig?

Ich freue mich über das Ergebnis, aber meine Kritik bleibt aufrecht. Wir müssen diskutieren, wie wir Politik und Kampagnen machen. Ich habe das E-Mail bewusst vor der Wahl verschickt, es gilt unabhängig vom Ergebnis.

Haben die Grünen trotz oder wegen der Kampagne gewonnen?

Ich würde sagen: trotz!

Geht man mit einfachen Botschaft en nicht auch über Kernanhängerschichten

hinaus und erschließt sich neue Wähler? Ich denke, der Erfolg der Grünen ist jedenfalls viel weniger der Kampagne zuzuschreiben als der Person Ulrike Lunacek. Sie hat bewiesen, dass sie eine ausgewiesene Fachfrau und gute Politikerin ist.

Gut, aber wie soll eine Kampagne der Grünen Ihrer Ansicht nach aussehen?

Ich habe jetzt keinen Masterplan dafür, ich hätte jedenfalls gerne mehr inhaltlichen Tiefgang. Mir geht es prinzipiell um die Entpolitisierung der Politik infolge der kommunikativen Verflachung - nicht nur bei den Grünen.

Verändern denn solche Kampagnen auch die Politik der Grünen?

Genau das ist der Effekt. Durch platte und populistische Kampagnen wie diese ziehen wir uns auf die Wohlfühlebene zurück. Wir sprechen nur noch angenehme Dinge an und weichen vor inhärent politischen Fragen zurück, etwa nach Machtverhältnissen. Die Verteilungsfrage zum Beispiel - so etwas lassen wir aus. Wir suggerieren stattdessen oberflächlich, dass es Lösungen gibt, die niemandem wehtun. Aber Politik ist in Wahrheit das Gegenteil. Sie besteht aus Macht- und Verteilungskämpfen, dem Ausgleich widerstrebender Interessen. Happy-Peppi-Politmarketing bringt uns da nicht weiter.


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