Pop Tipp

Die wunderbare Miley Cyrus gibt ihr Wien-Debüt

Lexikon | GS | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

An Aufregungen war 2013 ein nicht eben auffälliges Popjahr. Dass Daft Punks durchwachsene Verbeugung vor der Discokultur der 1970er-Jahre mit Grammys überschüttet wurde, ist dafür durchaus charakteristisch. Miley Cyrus trifft an dieser Durchschnittlichkeit keine Schuld; die 21-jährige US-Sängerin mit dem Vorleben als Disney-Kinderstar in der TV-Serie "Hannah Montana" war 2013 so etwas wie ein Ein-Personen-Kommando im Kampf gegen die Langeweile im Popmainstream.

Los ging es Anfang Sommer mit dem Video zur Partyhymne "We Can't Stop", in die Bilder exzessiver Lebensfreude mischten sich surrealistische und durchaus dystopische Momente. Dann kamen die MTV-Video-Awards Ende August: Cyrus lieferte mit ihrem Kollegen Robin Thicke ("Blurred Lines") eine sehr körperbetonte und im prüden US-Sinne eben nicht ganz jugendfreie Performance, mit der sie sich endgültig von Hannah Montana verabschiedete. Darauf folgte das Aufregervideo zur Ballade "Wrecking Ball", in dem Cyrus nackt auf einer Abrissbirne schwingt und an einem Vorschlaghammer leckt. Anschließend reichte der Fotokünstler Terry Richardson - er inszenierte die Bildsprache des "Wrecking Ball"-Videos - auch noch grelle Pin-up-Fotos der vom bieder-lustigen All-American-Girl zum selbstbewussten jungen Gör gereiften Künstlerin nach.

Sinéad O'Connor bekam einen Zuckaus und schrieb eine Reihe peinlicher Briefe und alle Welt diskutierte plötzlich den schmalen Grat zwischen Selbstermächtigung und Pornografisierung. Was dabei ein bisschen unterging: Das im Herbst erschienene Album "Bangerz" ist eine ausgezeichnete Dancepop-Platte und Miley Cyrus vielleicht eine Skandalnudel, vor allem aber eine der derzeit spannendsten und unterhaltsamsten Popfiguren überhaupt. Die "Bangerz"-Tour führt sie jetzt erstmals nach Wien.

Wiener Stadthalle, Di 19.30


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