Schwarzes Schaf, weiße Weste

In einem ehemaligen Wettbüro werden krumme Köstlichkeiten zubereitet

Stadtleben | Lokalkritik: Nina Kaltenbrunner | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Eigentlich gibt es das frischgebackene Lokal „Zum schwarzen Schaf“ ja nur, weil der Tiroler Filmemacher und „Wastecooking“-Koch Tobias Judmaier und sein Freund Paul Streli, vormals Koch im Rasouli, eine Küche für ihr Catering- und Essenslieferservice „iss mich!“ gesucht haben. Die Location, die sie dafür gefunden haben, bot dann letztlich doch Raum für mehr. Zur Erklärung: „iss mich!“ ist ein Projekt zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen, das gerade mit dem „Viktualia Award 2014“ ausgezeichnet wurde. Dafür „retten“ die beiden biologisches Gemüse aus dem Marchfeld, das den ästhetischen Anforderungen des Handels nicht entspricht und daher erntefrisch entsorgt werden würde.

Aus krummen Karotten und herzförmigen Kartoffeln bereiten die Autodidakten köstliche vegetarische und vegane Suppen und Eintöpfe wie „ich bin ein Gemüsecurry“ oder „ich bin ein Kartoffelgulasch mit Räuchertofu“ zu, die sie in Pfandgläser einrexen und per Fahrrad ausliefern. Und weil das Schwarze Schaf so gar nicht „schwarz“ ist, wird bei der Lieferung mit der Caritas zusammengearbeitet. Die Speisen wechseln wöchentlich und sind mit der unmissverständlichen Aufforderung versehen: Iss mich! So weit, so (sehr) gut.

Das Motto im schwarzen Schaf lautet hingegen: Teile mich! Zumindest, wenn es nach Koch-Betreiber Tobias Judmaier geht. Auf der Abendkarte stehen kleine Gerichte, von denen man mehrere bestellen und untereinander tauschen möge. Unterteilt sind sie in Mezze um wohlfeile zwei Euro, wie gemischte Oliven, Kapern, marinierter Schafkäse oder herrliches Erbsen-Minz-Hummus. Weiter geht es mit etwas größeren Häppchen à 3,50 Euro – vorwiegend Gemüsegerichte, wie ein herrlich knackiger Karotten-Kokos-Salat mit schwarzem Sesam, erfrischende Taboulé mit extra viel Petersilie, sehr feine Kichererbsen mit Spargel und Tomaten und nicht ganz so begeisternde Zitronenkartoffeln, die sowohl für sich stehen, als auch als Beilagen für die „großen Mezze“ à 4,50 Euro gedacht sind. Die kleinen Hauptgänge waren dann Ceviche von der Forelle in einer genialen Mischung aus rohem grünem Spargel und weißem Pfirsich, mit angenehmer Frucht und dezenter Säure. Weiters ein sehr dichtes, intensives Lammragout mit Sellerie, das auf der Zunge zerging. Danach gab es Safranbirnen (€ 3,50) und Schokomousse mit Cayennepfeffer, für das trotz der kleinen Portionen davor leider kein Platz mehr war.

Serviert werden die Gerichte auf hübschen, bunt gemusterten Tellern oder Schalen, die perfekt zum Epoxiharz-Boden in Resedagrün passen, das eigentlich Forstgrün sein sollte, wie die raumhohen Fenster auch, aber die aufwendigen Renovierungsarbeiten sind eine andere Geschichte … Ach ja: Die eingerexten „iss mich!“ sind auch im Schwarzen Schaf zu beziehen. Und ein Event mit Wastecooking ist ebenfalls geplant. Barhocker wird es auch irgendwann einmal geben.

Resümee:

Sympathisches Lokal mit unkomplizierter, kreativer wie raffinierter Küche und einem hohen Nachhaltigkeits- und Feel-good-Appeal. Schön.

Zum Schwarzen Schaf
9., Porzellangasse 53
Tel: 236 29 21
Mo–Fr 10–23 Uhr


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