Film Neu im Kino

Schräge Selbstfindung: "Maman und Ich"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

Wie geht es Dir?", fragt die Großmutter mit abgewandtem Blick. "Ich habe Kopfschmerzen", lautet die Antwort. "Und wie geht es Guillaume?""Abgesehen von den Kopfschmerzen geht es mir gut." Große Überraschung beim Umdrehen - die Großmutter spricht nicht etwa mit ihrer Tochter, sondern mit ihrem Enkelsohn, der seine Mutter perfekt nachahmen kann.

Veranlasst wurde er dazu durch die Bewunderung für seine dominante Maman, die ihn im Gegensatz zu seinen Brüdern wie ein Mädchen behandelt. Auch Guillaume selbst ist davon überzeugt, ein Mädchen zu sein. Als er sich - für eine junge Frau wenig überraschend - in einen Schulkollegen verliebt, versetzt ihm die Zuschreibung, ein homosexueller Mann zu sein, einen Schock. Mithilfe von Psychoanalyse und Selbstversuchen macht er sich schließlich daran, seine (sexuelle) Identität zu ergründen und die Schubladisierung durch seine Umwelt zu hinterfragen.

Mit der Komödie "Maman und Ich" (im Original: "Les garçons et Guillaume, à table!"- die Art der Mutter, ihre drei Söhne zum Essen zu rufen) verarbeitete Regisseur Guillaume Gallienne seine Lebenserfahrungen. Als Hauptdarsteller spielt er sich selbst sowie seine Mutter, das gleichnamige Theaterstück, auf dem der Film beruht, bildet die Rahmenhandlung: Von einer Bühne aus, auf der der erwachsene Guillaume seine Geschichte erzählt, gleiten die Filmbilder in Erinnerungen über.

In diesen Erinnerungssequenzen bleibt Guillaume allerdings stets derselbe Erwachsene, was zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Witzig sind die Auftritte der Mutter, die Guillaume in seiner Fantasie berät und verfolgt. Lässt man sich auf die surreale Stimmung der Komödie ein, ist sie in ihrer eigenwilligen Schrägheit und Übertreibung recht unterhaltsam.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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