Wie es sich anfühlt, wenn die Barrikaden brennen

Diesmal hat Andrej Kurkow keinen Roman geschrieben, sondern ein Tagebuch der Revolution: nah dran, persönlich und mitfühlend

Politik | Rezension: Sibylle Hamann | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014

Am 24. Februar, kurz nach dem Aufstehen, ging Andrej Kurkow ins Badezimmer und erschrak. "Heute wusch ich mir das Gesicht, blickte in den Spiegel. Wie es aussieht, bin ich in den letzten drei Monaten rund fünf Jahre gealtert." Die letzten drei Monate in Kiew: Das war der Euromaidan. Ein Winter voller Euphorie, Nervosität, Gewalt - und am 21. Februar schließlich das tragische Blutbad. Über 100 Menschen wurden an diesem Tag auf dem Maidan erschossen. Kurkow war von all diesen Ereignissen nur ein paar Schritte entfernt.

Kurkow ist Schriftsteller, einer der berühmtesten seines Landes. Mit seiner britischen Ehefrau, einer fast erwachsenen Tochter und zwei halbwüchsigen Söhnen lebt der 53-Jährige im Zentrum Kiews, in einer geräumigen Wohnung im dritten Stock. Er hat Romane geschrieben, die in viele Sprachen übersetzt wurden ("Picknick auf dem Eis","Die letzte Liebe des Präsidenten") und führt das prekäre, spannende Leben eines erfolgreichen Freiberuflers: Lesereisen, Diskussionsveranstaltungen,


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