"Eine diktatorische Regierung"

Massive Beschwerden über eines der größten steirischen Heime für minderjährige Flüchtlinge: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den privaten Betreiber wegen Körperverletzung

Steiermark | Recherche: Gerlinde Pölsler | aus FALTER 23/14 vom 04.06.2014


Foto: J.J. Kucek

Foto: J.J. Kucek

Eine Gemeinde nahe Graz, ein gelbes Haus mit der Aufschrift „Turbo-Pizza“. Im Hof werkeln Burschen an Fahrrädern herum. Günther G. begrüßt uns im Büro in seinem ehemaligen Gasthaus, heute ein Heim für sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF). Es geht geschäftig zu, immerhin wohnen hier 25 Buben zwischen 15 und 17 Jahren und weitere 21 volljährige Jugendliche. Die meisten kommen aus Afghanistan, seit kurzem sind auch Syrer im Haus. Die Atmosphäre wirkt locker, zwei Burschen scherzen mit einer Mitarbeiterin. Es fällt aber auf, dass die Jugendlichen G. nur mit „Chef“ ansprechen. Eher unüblich für eine Einrichtung, die Minderjährige betreut.

Ehemalige und aktuelle Bewohner des Heims sowie eine frühere Mitarbeiterin üben heftige Kritik am Betreiber des Heims: Der Umgangston im Haus sei rau, oft werde es laut. „Nett sind sie nur, wenn jemand auf Besuch kommt.“ Es gebe zu wenige sanitäre Einrichtungen, Kochmöglichkeiten, Waschmaschinen. Der Hausmeister soll fremdenfeindliche Äußerungen fallen lassen, überdies stehen Vorwürfe physischer Gewalt im Raum. Einer wurde angezeigt, die Staatsanwaltschaft Graz teilt dazu mit: Günther G. stehe „im Verdacht, die Vergehen der Körperverletzung, der Nötigung und des Diebstahls begangen zu haben“. Die Vorwürfe entstammten einer Auseinandersetzung mit einem früheren Bewohner. „Im Zuge der Ermittlungstätigkeit sprachen Zeugen von weiteren Missständen in der Asylantenunterkunft, die umfangreiche Erhebungen notwendig machen.“


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