Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Supa Eh-Uh!

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Das Cover sah aus, als hätte Österreich gerade ein Länderspiel gewonnen. Es war aber die Abstimmung über den EU-Beitritt. 66 Prozent stimmten dafür! "Uh-eh, supa Österreich", jubelte das Cover und zeigte einen Gartenzwerg mit EU-Flagge.

Ihr Autor freute sich in Hexametern, wenngleich er die Einsicht nicht unterdrücken konnte, entschieden hätte "nicht die Reife des österreichischen / Volkes. Am schlimmsten freilich von allen ist die Gewissheit, / welche seit Jahr und Tag wir besitzen, dass allein eine /einzige Zeitung entscheide, was wohl gerate dem Lande und / was ihm zum Wehe: die Krone. Politologen wollen nicht / daran denken, wie das Ergebnis gelautet hätte, / wäre der Ehrgeiz des kleinen Formates nicht angefeuert /worden durch Lust, den Stachel der Niederlage zu treiben /tief in das Fleisch des verhassten Billigblatteigners Kurt Falk. / Selten nur nennt die Krone den Namen dieses Verpönten; / jetzt, im Bewusstsein des österreichischen Sieges, / tut sie's, um ihn zu höhnen. Beelzebub spottet des Teufels /uns aber schmeckt sein Triumph wie Galle im Kuchen am Tage der /national-unnationalen Freude..."

Die österreichischen Journalisten im Ausland kommentierten das Ergebnis (unter ihnen der junge Werner A. Perger, der den Siegern riet, sich um die Bedenken der Nein-Sager zu kümmern, denn die hätten unrecht im Ganzen, aber recht in vielen Details). Eine Bezirkstabelle zeigte, woher der EU-Wind blies (Hietzing und Döbling hatten über 75 Prozent Zustimmung), während Bernhard Odehnals "Stuwerwatch" zeigte, dass dort gerade knapp über 50 Prozent zugestimmt hatten.

Bundeskanzler Franz Vranitzky versprach in einem Inserat: "Es gibt keine Verlierer, sondern nur einen Gewinner: Österreich." Das Ja für Europa sei eines für Österreich.

Bei alldem wäre beinahe ein großes Porträt untergegangen, das Sigrid Löffl er über den Kunstsammler Rudolf Leopold schrieb. Und die Wuchtelwette zur Fußball-WM, die Kabarettist Lukas Resetarits mit einer Kolumne begleitete.


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