Phettbergs Predigtdienst

Ich bin ab nun halb zweiundsechzig

Kolumnen | Hermes Phettberg | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Ich bin nun 61 und ein halbes Jahr, bin so lädiert und ohne jede Fitheit, doch irgendwas Tierisches in mir erinnert mich uralten Menschen, wie schön es wäre, einen schönen Kerl zu umarmen und bei ihm zu weilen, mit ihm zu teilen. Doch ich kann mir nie mehr ein Taxi leisten. Das Hingehen gelingt mir immer als Art Wallfahrt der Hoffnung. Jetzt mache ich Mittagspause und esse das, was noch in der Küche ist, vor allem alles noch Übrige von vorgestern. Vom Monat Juni habe ich erst vier Tage vollbracht und hab die erste Hälfte des Monatsgeldes verbraucht. Ich möchte sterben! Es gelang mir mein Leben lang noch nie, mich zu liieren.

Ich hatte gut mittagsgeschlafen und nun will ich keineswegs sterben! Sir eze wird mir Dorschleber kochen und dazu Brot herunterschneiden. Im Radio war dazwischen die Mittwochsreligionssendung, wo ein Knabe zu hören war, der sagte, er sei halb sechs. Und darauf beschloss ich, dass ich ab nun halb zweiundsechzig bin.

Danach geschah mir eine Katastrophe. Ich rutschte beim Urinieren auf meinem eigenen Urin aus! Ich rief herzlieb NAC-HI an, doch als er kam, hatte ich es schon allein ins Bett geschafft. Später kam auch noch herzlieb Moritz und sah mich erschöpft im Bett liegen. Das Gemüt Moritzens hat so eine segensreiche Wirkung auf mich, dass ich keine Schmerzen spüren konnte!

Am Abend hatte ich dann plötzlich feste Schmerzen beim Einatmen. Der Schmerz ließ "mir" nicht nach, und Sir eze drängte unbedingt, dass ich noch sofort ins Unfallkrankenhaus Meidling fahre. Hin und zurück =wieder 20 Euro. Wir blieben von 22 bis 2 Uhr nachts dort. Und ich habe eine "milde" Rippenprellung, wurde mit mehreren Röntgens von einer Ärztin und ihrem unglaublich feschen Röntgenologen festgestellt.

In dem Moment, wo du die Begründung weißt, warum du Schmerzen hättest, lassen dir alle Schmerzen leicht nach. Und ich schaffte es, um sechs Uhr mit dem Fahrtendienst Gschwindl zu Dr. Aschauer zu fahren. Dr. Aschauer hatte sofort die Idee, mir zwei neue Punkte an der linken Stirn zu stechen. Entweder ich bild es mir ein oder ich hab so ein ideales Placebo mit Dr. Aschauer, meinem göttlichen Akupunkteur, dass ich keine Schmerzen mehr spüre. F

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