Zwei Arbeiterkinder zeigen auf

Erwin Greiner und Hakan Aksüz mussten sich Bildung hart erkämpfen. Deshalb wollen sie unser ungerechtes Schulsystem reformieren.

Politik | REPORTAGE: SIBYLLE HAMANN | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Wien, 1956. Wien ist eine graue Stadt, und der kleine Erwin, sieben Jahre, lebt auf ihrer finsteren Seite. Eine Zimmer-Küche-Wohnung im vierten Bezirk, Substandard, Klo. Bassena am Gang. 20 Quadratmeter für Erwin, seinen Halbbruder, und die Mutter. Die Mutter ist nach ihrer Scheidung aus Niederösterreich hierhergezogen, sie ist Hilfsarbeiterin. Ab und zu jobbt sie als Packerin im Kaufhaus Gerngroß, die meiste Zeit ist sie arbeitslos.

Einmal in der Woche fährt Erwin an der Hand seiner Mutter in die Thaliastraße, das Arbeitslosengeld am Amt abholen, in bar. Es ist immer zu wenig. Bei der Milchfrau müssen sie anschreiben. Es gibt wenig zu essen, nur abgetragene Hosen, überall Schulden. Was Erwin in der Schule macht, ist der Mutter egal. Hauptsache, er wird bald fertig damit und kann endlich Geld verdienen.

Erwin ist ein intelligentes Kind. Aber 1956 ist es sehr wahrscheinlich, dass er es nicht weit bringen wird. Seine Volksschullehrerin mag ihn nicht.

Um das Einmaleins zu lernen, sollen


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