"Nicht akzeptabel"

Heinz Fronek von der Asylkoordination über die unzureichende Betreuung jugendlicher Flüchtlinge in Österreich

Steiermark | RECHERCHE: GERLINDE PÖLSLER | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014


Foto: J.J. Kucek

Foto: J.J. Kucek

Vergangene Woche berichtete der Falter über Vorwürfe gegen den privaten Betreiber eines Heims für minderjährige Flüchtlinge in der Nähe von Graz: Es gibt eine Anzeige wegen Körperverletzung, Bewohner berichten über einen harschen Umgangston und zu wenige oder kaputte Sanitäranlagen, und eine Ex-Mitarbeiterin beklagt mangelnde Professionalität. Dies ausgerechnet in einem Heim, in dem Asylwerber unter 18 Jahren leben, die ohne Eltern nach Österreich gekommen sind. Nun gab es erste Konsequenzen. Wie durchgesickert ist, wollte das Landesflüchtlingsreferat am Tag des Erscheinens des Artikels erneut zwei Burschen in das Heim schicken – das Büro von Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser (SPÖ) soll dies aber gestoppt haben. Auf Anfrage erklärt man dort, es sei „ein Irrtum“ gewesen: Dem Heim dürften derzeit keine neuen Flüchtlinge zugewiesen werden. Der Grund seien Mängel, die bei der letzten Überprüfung festgestellt wurden: fehlender WC-Sitz und Duschschlauch, kaputte Wasserhähne, defekte Waschmaschine, Zimmer ohne Tische und ein Zimmer, das für zwei Personen zu klein sei. Interessant: Die Überprüfung – zusammen mit dem Flüchtlingsreferat – hatte schon vor den Gesprächen des Falter mit diesem Referat und dem politischen Büro stattgefunden; damals war von Problemen noch keine Rede, schon gar nicht von einem Zuweisungsstopp. Das liege daran, dass der Bericht der Kontrollorin erst später gekommen sei, heißt es. Der Betreiber muss die Mängel nun bis 17. Juni beseitigen, dann sehe man weiter.

Die Grünen wollen nun eine dringliche Anfrage stellen. Die Frage, ob private Heime unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) betreuen sollen, wird intensiv diskutiert: Die FPÖ kritisiert diese ebenso wie der Grazer Menschenrechtsbeirat und die Kinder- und Jugendanwältin. Heinz Fronek, Experte für UMF bei der NGO Asylkoordination Österreich, erklärt, was die Steiermark jetzt tun sollte und warum die Betreuung von UMF in ganz Österreich unzureichend ist.


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