Am Apparat Telefonkolumne

Warum dürfen die Rechten ins Stadtpalais, Frau Holter?

Politik | INTERVIEW: R. EISENREICH | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Am Samstag vor einer Woche trafen sich im Wiener Stadtpalais Liechtenstein Rechtspolitiker aus ganz Europa, darunter FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, mit dubiosen rechten Russen (siehe auch Interview S. 14). Mindestens 550 Euro pro Stunde kostet die Miete dort -Sessel, Tische und Tonanlage nicht inbegriffen. Julia Holter, Sprecherin der Palais Liechtenstein GmbH, erklärt die Vermietungspolitik des Unternehmens.

Frau Holter, warum vermietet die Fürstenfamilie Liechtenstein ihr Palais an weit rechts stehende russische Oligarchen?

Die Palais Liechtenstein GmbH wurde von der Familie mit der Vermarktung der Häuser beauftragt. Im Normalfall fragt bei uns eine Agentur um einen Raum an, mit einer langen Vorlaufzeit von ein bis zwei Jahren. Der Endkunde ist uns oft gar nicht bekannt, insofern gibt es da keine Einschränkung. Es gibt auch keine schwarze Liste. Wenn es politisch heikel wäre, würden wir uns mit der fürstlichen Familie abstimmen -weil wir auch oft nicht wissen, wie die Beziehung der Familie zu irgendwelchen Ländern ist.

Aber wenn Sie nicht wissen, wer die Kunden sind, können Sie doch auch nicht wissen, bei wem es heikel sein könnte.

Ja. Oft halten sich die Agenturen bedeckt, weil es um wichtige Kunden aus Wirtschaft oder Politik geht, die kein Interesse daran haben, dass das bekannt wird. Ich kann mir vorstellen, dass nicht einmal die Agentur weiß, wer auf der Gästeliste steht. Ich glaube, selbst wenn wir nachfragen würden, würden sie es uns nicht sagen.

Das heißt, wenn etwa Neonazis bei Ihnen buchen wollten, wäre das vermutlich auch möglich?

In dem Fall würde das sicher auch über eine Agentur laufen, und dann hätten wir keine Kontrolle. Aber das kann einem Restaurant genauso passieren, dass jemand einen Tisch bucht und man dann erst sieht, wer da sitzt. Wir können nicht schon im Vorfeld jeden Kunden verdächtigen.


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