Film Neu im Kino

Vom Leben in Ebensee: "Und in der Mitte ..."

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Im oberösterreichischen Ort Ebensee existierte im Zweiten Weltkrieg ein Nebenlager des KZ Mauthausen. Zu trauriger Berühmtheit gelangte die Gemeinde, als es 2009 bei einer Gedenkfeier zu einer Neonazi-Störaktion kam.

Bevor eine stille Einstellung in Sebastian Brameshubers Dokumentarfilm "Und in der Mitte, da sind wir" den Eingang des KZ-Gedenkstollens zeigt, stecken zwei Jugendliche ihre Nasen durch den Zaun um ein entstehendes Einkaufszentrum: Nationalsozialistische Vergangenheit und rechtsextreme Gegenwart sind ein Thema unter vielen in dem Werk über den Alltag dreier junger Ebenseer.

So zeigt Brameshuber Michi, Andi und Ramona beim Ratschen und Motocrossfahren, auf dem Volksfest und dem Paintballfeld, bei der Lehrstellensuche und beim Rauchen unter der Brücke. Er ist dabei, wenn Michi seine Tracht mit Punkklamotten abzuwechseln beginnt, Ramona zum Vorstellungsgespräch geht und der waffenbegeisterte Andi erkennt, dass Krieg kein harmloses Faszinosum darstellt.

Auch wenn die Diskussionen an den Esstischen der Familien zeigen, dass die Vergangenheit großteils unter "betrifft uns nicht" eingeordnet wird, gehört die Aufarbeitung des Vorfalls von 2009 in der Schule zu den spannendsten Szenen des Films.

Verblüffend ist die Natürlichkeit der Protagonisten, manchmal könnte man "Und in der Mitte, da sind wir" fast für einen Spielfilm halten. Brameshuber, der sein Werk als "überlegten Film mit stark inszenatorischen Eingriffen" beschreibt, fand seine Protagonisten mittels Casting in der Schule. Teilweise gab er den Jugendlichen Themen vor, die in der Recherche aufgetaucht waren. Mit einer wohldurchdachten Bildsprache ist ihm ein interessanter, auch humorvoller Einblick in ein Lebensjahr der Teenager gelungen.

Ab Fr im Votiv


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