Kommentar Justiz

In letzter Sekunde gerecht: das Urteil im Fall Templ

Falter & Meinung | FLORIAN KLENK | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Es ist abenteuerlich, was deutsche, schweizerische und US-Zeitungen so alles auftischten. Stephan Templ, Historiker, Restitutionsexperte und Nachkomme von Holocaustopfern, sei zu drei Jahren Haft bestraft worden, weil er in einem Antrag auf Restitution des Sanatoriums Fürth darauf vergaß, seine Tante als eine der Erbberechtigten zu nennen.

"Nach der Logik der Räuber"(Spiegel) sei nun in einem "kafkaesken Prozess"(FAZ) ein Justizskandal (NZZ) vollzogen, der seinesgleichen suche. Österreichs Gerichte hätten sich an einem Unbequemen gerächt. Leider ist die Story falsch. Templ wurde nicht bestraft, weil er ein Unbequemer war, sondern weil er eine finanzielle Entschädigung beanspruchte, die seiner Tante zustand. Die Republik wurde in ihrem Recht verletzt, die richtige Person zu entschädigen.

Dreimal täuschte Templ die Restitutionsbehörden vorsätzlich. In einer Einvernahme, wo er die Tante verschwieg. Beim Ausfüllen eines Formulars, wo er die Frage nach weiteren Erbberechtigten verneinte. Und beim Skizzieren eines Stammbaums, wo er die Tante einfach wegließ.

Die Tante ist also das Opfer, nicht Templ. Sie hatte ihn angezeigt. Es ging für sie um 500.000 Euro. Templ fasste drei Jahre unbedingt aus -und das ist der Skandal. Das Strafmaß war viel zu hoch für einen Unbescholtenen. Vergangene Woche setzte das Oberlandesgericht das Strafmaß auf ein Jahr unbedingt herab (zwei Jahre blieben auf Bewährung). Selbst diese Strafe - die er wohl mit Fußfessel vollziehen kann - bleibt Templ erspart, wenn er die Tante, spät, aber doch, entschädigt. Ein in letzter Sekunde doch noch gerechtes Strafmaß für einen Betrüger mit tadellosem Vorleben. Aber sicher kein Staatsskandal.


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