Urbanes Betragen

Benimmfibel für Großstadtmenschen (168)

Stadtleben | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Herr C. würde gerne Folgendes wissen: Muss er E-Mails seines Chefs auch dann zu 100 Prozent ernst nehmen, wenn diese vor Grammatik-und Rechtschreibfehlern nur so strotzen? Herr C. schlägt vor, für jeden Fehler zehn Prozent Glaubwürdigkeit abzuziehen.

Ja, werter Herr C., es schmerzt, sich eingestehen zu müssen, eine Flasche als Chef zu haben. Immerhin sollte die innerbetriebliche Hierarchie auf Können, Wissen und Erfahrung begründet sein, und wenn nun die Sprachkenntnisse des Vorgesetzten auf Volksschulniveau dahindümpeln, gleicht dies einer persönlichen Beleidigung. Man fragt sich, ob dieser zu Recht im Chefsessel sitzt. Glaubwürdigkeit wird er nach Ihrem Punktesystem schnell einbüßen. Aber eventuell können Sie ihm ja Gnadenpluspunkte auf anderen Gebieten zugestehen: origineller Betreff etwa, smarte Anrede oder schicke Formatierung. Tun Sie's Ihrem eigenen Seelenheil zuliebe!

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige