Fragen Sie Frau Andrea

Zwischen Bernsteinfunk und Schmelzarchiv

Kolumnen | Andrea Maria Dusl | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Liebe Frau Andrea, am Ende Ihrer wöchentlichen Frage gibt es einen Hinweis auf den Weg der Fragenübermittlung. Zurzeit erfolgt diese meist "per NSA-Archivalie", manchmal noch "per Gesichtsbuch-Direktnachricht". Früher war "per Bernsteinfunk" in Mode, die doch reichlich direkte Übersetzung der "Elektronachricht". Davor gab es das eine oder andere "Email" und massig Angaben des Wohnbezirks, was wohl auf eine Fragestellung per Brief schließen lässt. Suchen sich die Fragestellerinnen diesen "per ..."-Text selber aus, oder handelt es sich hierbei um redaktionelle Arbeit Ihrerseits? Schöne Grüße, Thomas Klausner, per mutt->sSMTP->Postfix->SMTP->(internet)->POP3oder-hoffentlich-IMAP

Lieber Thomas,

um die Adressen Fragen Stellender nicht türgenau zu publizieren und dennoch die Herkunftsdynamik einigermaßen plastisch abzubilden, schrieb die Autorin dieser Kolumne den Stadtteil-oder Bezirksnamen hinter den jeweiligen Namen. Mit der Konjunktur von Email-Korrespondenz verschwand diese Information jäh. Um Abwechslung in die doch öde Herkunftsbezeichnung "per Email" zu bringen, wurde die Zweitbedeutung der Buchstabenfolge (Emaille nämlich) ins Deutsche rückübersetzt. So entstand "per Schmelzglas", oder "per Smalt" (die altfränkische Version). War doch das französische "émail" sprachlich gesehen aus unserem "Schmelz" entstanden.

Um dem Neologismus "E-Mail" gerecht zu werden, kamen die Bezeichnungen "Elektropost" und "Elektronachricht" auf. "Elektro" ist nun auch nur ein geborgtes Wort, das vom altgriechischen élektron kommt und den Bernstein (eigentlich Brennstein) bezeichnet. Idem verstieg sich Frau Andrea darin, den Fluss der Ladungen in einem Medium als Bernsteinfunken zu verstehen und die elektronische Botschaft "Bernsteinfunkennachricht" zu nennen. Zu dieser gesellten sich Direktnachrichten aus Gesichtsbuch (Facebook) und Zwitscherhausen (Twitter).

Als Oberbegriff für alle gebräuchlichen, ja noch zukünftig entwickelten Arten von Fragenübermittlung bot sich im Zuge der Affäre Snowden der Ausdruck "NSA-Archivalie" an. Appellativ sei dennoch an die Möglichkeit erinnert, mit der Nennung des Stadtteils Herkunft abzubilden.


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