Wenn Oberst Charles Lynch aus Virgina das geahnt hätte

Ein brillanter Band untersucht das Phänomen der Lynchjustiz -die in Form der Todesstrafe bis heute in den USA weiterexistiert

Politik | REZENSION: RUDOLF WALTHER | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Am 13. Juni 2005 verabschiedete der amerikanische Senat eine Resolution, mit der er sich bei den Opfern von Lynchjustiz entschuldigte, und erklärte diese Praxis als "schlimmste Erscheinungsform des Rassismus in den USA". Der Senat gestand sein Versagen ein, weil er keiner der rund 200 Gesetzesvorlagen für ein Bundesgesetz gegen Rassismus, die seit 1900 eingebracht worden waren, zustimmte, obwohl "99 Prozent" der Mitwirkenden bei Lynchmorden der Strafverfolgung entgingen. Nie zuvor und nie danach hat ein amerikanisches Parlament eine solche Mitverantwortung an einem Verbrechen eingeräumt.

Manfred Berg präsentiert die erste umfassende deutschsprachige Darstellung und Analyse eines Großverbrechens, das -anders als andere Massenverbrechen -nicht auf direkter staatlicher Gewalt bzw. Terror beruhte, sondern auf kollektiver Selbstjustiz von Bürgern sowie stiller Komplizenschaft staatlicher Institutionen. Berg definiert den Lynchmord präzis als "extralegale Bestrafung angeblicher Verbrecher


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