Die Kunst des Kasteldenkens

Form ist viel Arbeit: Das Mumok widmet dem Künstler und Filmemacher Josef Dabernig eine große Werkschau

Feuilleton | AUSSTELLUNGS-RUNDGANG: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

In einer Vitrine liegt ein kleiner Karton mit handgeschriebenen, penibel ausgefüllten Zahlenreihen auf abgegriffenem Papier. "Daily Cigarette Consumption 23.9.1979 until 22.9.1980" betitelt Josef Dabernig das Protokoll seines Nikotinkonsums, das er als Student führte.

Die Liste war ursprünglich nicht als Kunstprojekt intendiert. Und doch betrachtet der Künstler und Filmemacher sein Sündenregister als so signifikant, dass er es jetzt im Rahmen seiner Mumok-Retrospektive ausstellt. Noch nie hat ein Wiener Museum einem heimischen Experimentalfilmer eine so umfangreiche Ausstellung gewidmet.

Während Valie Export ihre Karriere 1966 mit einem Foto begann, das sie rebellisch mit Tschick im Mundwinkel und einem umgestalteten Packerl Smart Export zeigte, beschritt Dabernig stillere Wege der Arbeit am Selbst. "Ich bin Künstler geworden, weil ich nicht reden konnte oder wollte. Es war die Flucht in eine Ausdrucksform, in der ich keine Schikanen erwartete", erklärt der 1956 geborene Künstler,


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